Reboarder: So findest du den richtigen Kindersitz für dein Kind

Kapitel 2: Was du vor, beim und nach dem Kauf eines Reboarders wissen musst

Die wichtigste Entscheidung hast du längst getroffen: das Ja zum Reboarder. 👰🤵 Jetzt geht es nur noch darum, herauszufinden, welcher Kindersitz am besten zu euch passt.

Die gute Nachricht: Die Auswahl ist einfacher als du denkst. Und keine Sorge, du musst dafür nicht zum Kindersitz-Nerd werden, ich bin schon genug Nerd für uns beide. 🤓 Nach über 15 Jahren Erfahrung kann ich dir sogar nachts um 3 Uhr die Unterschiede zwischen den 14 oder 15 oder 16  Cybex-Sirona-Modellen herunterbeten (Ur-Sirona, M, M2, Q, S, S2, SX2, Z, Zi, ZR, Z2, T, G, Gi, ja, wirklich alle). Und das, obwohl du wahrscheinlich gar keinen Sirona brauchst

Inhaltsverzeichnis: So findest du den passenden Reboarder

Kind im Einkaufwagen, rückwärts
Rückwärts durch die Gemüse-Abteilung 🍅🥒: Vom Einkaufswagen in den Reboarder. Gleiche Richtung, mehr Komfort!

Kaufberatung Reboarder: Wie du den passenden Reboardkindersitz für dein Kind und dein Auto findest

In diesem praktischen Teil meines Ratgebers erfährst du, wann der richtige Zeitpunkt für den Wechsel auf den Reboarder ist, wo du deinen Kindersitz am besten kaufst, was ein Reboarder kostet, wie du prüfst, welcher Sitz in dein Auto passt, welcher Sitz sinnvoll für ein kleines oder großes Kind ist und warum du dich nicht von gut gemeinten, aber unbegründeten Einwänden verunsichern lassen solltest.

Gemeinsam finden wir den Reboarder, der zu euch passt, versprochen!

Richtiger Zeitpunkt für den Wechsel: Wann kann oder sollte dein Kind auf einen Reboarder wechseln?

Du fragst dich, wann der richtige Zeitpunkt für den Wechsel von der Babyschale zum Reboarder ist? Die meisten Eltern wechseln von der Babyschale auf den nächsten Kindersitz, wenn ihr Kind zwischen 6 und 18 Monate alt ist. 

Gut zu wissen: Wenn du von einem rückwärtsgerichteten Kindersitz (Babyschale) auf einen weiteren rückwärtsgerichteten Sitz wechseln willst, muss du den ersten Sitz nicht ausreizen. Dies ist nur dann der Fall, wenn du von rückwärts auf vorwärts wechselst, weil rückwärts sicherer ist. 

Die Gründe für den Wechsel von der Schale zum Reboarder sind unterschiedlich, klassische Gründe sind:

  • Die Babyschale ist oder wird zu klein. Das ist dann der Fall, wenn der Kopf deines Babys in ca. 1 bis 2 Zentimetern den Schalenrand erreicht. Steht das Köpfchen bereits über den Rand der Kopfstütze, solltest du dringend den Sitz wechseln,
  • die Babyschale passt noch, die Größen- oder Gewichtsgrenze ist aber bereits erreicht oder
  • das Baby fühlt sich in der Babyschale nicht wohl und weint viel.

Für Kinder, die nicht gerne im Auto mitfahren oder Babys, die schon älter sind und mehr sehen möchten, kann der Wechsel auf den Reboarder ein Segen sein. Reboarder stehen höher im Auto und aufrechter, das heißt, dein Baby oder Kleinkind kann viel mehr sehen, wenn es zur Scheibe hinausschaut.

viele kindersitze
So eine große Auswahl an Sitzen!
Kann ich einen Reboarder ab der Geburt verwenden?

Es gibt viele Reboardkindersitze, die ab der Geburt zugelassen sind, aber nur wenige Reboarder, die auch wirklich ab der Geburt passen. Viele Reboarder sind für Neugeborene noch zu aufrecht oder stehen zu steil im Auto, manche passen trotz Neugeborenen-Einlagen noch nicht und bieten zu wenig Halt für einen jungen Säugling.

Wenn du darüber nachdenkst, einen Reboarder ab der Geburt zu kaufen, lies gerne hier weiter, dort stelle ich dir auch ab Geburt geeignete Reboardkindersitze vor ➞ Reboarder: Meine Top 10

Übrigens – weil das ein weit verbreiteter Mythos ist: Dein Baby muss nicht frei sitzen können, wenn es in einen Reboarder wechselt. Viele aktuelle Reboardkindersitze haben so gute Ruhepositionen, dass sie bereits für jüngere Babys gut geeignet sind. Dies gilt besonders für Reboarder, die mit Isofix befestigt werden, in diesem Bereich gibt es eine große Auswahl an Sitzen für die Kleinsten. 

Die Auswahl an gegurteten Reboardern, also Kindersitzen, die mit dem Autogurt eingebaut werden, die bereits für junge Noch-nicht-Sitz-Kinder geeignet sind, ist allerdings etwas kleiner. 

Kindersitzgeschäft oder online: Wo du Reboarder kaufen kannst

Wenn du schon länger bei mir liest, weißt du, was ich dir empfehlen werde: Genau – am sinnvollsten ist es immer, einen Kindersitz im Fachgeschäft vor Ort zu kaufen, denn dort erhältst du nicht nur eine Beratung zum Sitz, sondern kannst auch verschiedene Kindersitze in deinem Auto ausprobieren. Außerdem kann dein Kind in unterschiedlichen Sitzen probesitzen. Das heißt: Die Gefahr eines Fehlkaufs ist geringer als wenn du blind einen Kindersitz bestellst. 

Du hast keine Zeit oder Nerven, irgendwo hin zu fahren, um Sitze zu testen und dein Kind findet andere Menschen sowieso unheimlich? 😁 Das kenne ich auch, es ist aber gerade im Reboardbereich nicht so dramatisch, es gibt einige Kindersitze, die in nahezu jedes Auto und fast jedem Kind passen. 

Mein Tipp: Buche dir eine Online-Kindersitzberatung bei einem Fachhändler oder einer Fachhändlerin mit stationärem Geschäft. So bekommst du beides: Eine Beratung aus der Ferne und die Erfahrungswerte von jemandem, der schon viele kleine und große Kundinnen und Kunden vor Ort beraten hat.

Kosten: Was kostet ein Reboardkindersitz?

Kinder(sitze) sind teuer, da müssen wir nicht um den heißen Brei herumreden. Bei einem Neukauf eines Reboarders musst du mit ca. 300 bis 500 € rechnen, nach oben hin gibt es kaum noch eine Grenze.

Geld ausgeben kannst du aber nicht nur beim Autositz, sondern auch beim passenden Zubehör: Brauchst oder willst du noch einen Spiegel dazu, um dein Kind im Blick zu haben? Benötigt ihr eine Unterlage, damit das Autopolster nicht so schnell schmutzig wird? Und wie wäre es mit einem Kindersitzponcho für die kalten Tage oder einer Anti-Schwitz-Matte für den Sommer? Darf es vielleicht noch ein bisschen mehr sein? 🌭

Aber Scherz beiseite: Sind teurere Reboarder eigentlich sicherer als günstige? Nein. Ein preisintensiverer Reboarder bietet gegebenenfalls weitere Funktionen oder hochwertigere Stoffe als ein Sitz, der weniger kostet. Grundsätzlich heißt teurer aber weder pauschal sicherer noch besser als andere Kindersitze. 

Was kostet ein Folgekindersitz
Was das alles kostet!

Gebrauchtkauf: Den Reboarder gebraucht kaufen - okay oder ein Problem?

Viele Eltern können oder wollen sich keine neuen Kindersitze leisten, deshalb werde ich häufig gefragt, ob es okay ist, Kindersitze gebraucht zu kaufen oder von Freunden zu übernehmen.

Die Antwort ist: Es kommt darauf an – und weil es ziemlich viele Punkte gibt, die du beim Gebrauchtkauf beachten solltest, verweise ich an dieser Stelle freundlich auf meinen ➞ Ratgeber zum Gebrauchtkauf von Kindersitzen. Im Artikel findest du nicht nur Tipps, wie du beim Kauf eines neuen Sitzes sparen kannst, sondern auch eine Checkliste für den Secondhand-Kindersitzkauf. 

Auto-Check: Staufach-Monster oder unkompliziertes Raumwunder?

Bevor du dir irgendeinen Reboarder aussuchst, solltest du dir dein Auto noch einmal ganz genau ansehen: Wie viel Platz habt ihr? Fahren noch andere Menschen mit? Darf der Reboarder etwas größer sein oder braucht ihr ein platzsparenderes Modell? 

Platzangebot in deinem Auto

Wenn du dir einen Reboarder aussuchen willst, solltest du wissen, wie viel Platz du im Auto hast und wo du den Sitz einbauen möchtest. Muss jemand neben dem Kindersitz sitzen? Sitzen Menschen mit langen Beinen davor oder dahinter? Wie viel Platz ist auf dem Autositz, auf dem der Sitz stehen soll? Je nachdem, wie eng es bei dir im Auto ist, kann es zum Beispiel sein, dass du einen Kindersitz mit Drehfunktion nicht oder nicht gut zur Seite drehen kannst. 

Dazu kommt, dass die Beinfreiheit deines Kindes im rückwärtsgerichteten Kindersitz immer auch vom Platzangebot im Auto abhängt. Allerdings musst du dir um die Beinfreiheit die allerwenigsten Sorgen machen. Auch wenn es für Erwachsenenaugen manchmal etwas unbequem aussieht, fühlen sich Kinder auch im Schneidersitz sehr wohl. 

Staufächer im Autoboden?

Wichtig: Wirf vor dem Kauf eines Reboardkindersitzes unbedingt immer einen Blick auf den Boden vor dem Autositz (auch unter den Teppich), auf dem du den Kindersitz einbauen möchtest. 

Warum? Weil dort Staufächer sein können, die die Auswahl deines Kindersitzes einschränken können. Du hast so ein Bodenfach entdeckt? Sieh dir am besten gleich meine Seite über ➞ Staufächer im Auto an. 

Auto-Handbuch lesen

Auch wichtig: Bevor du einen Reboarder kaufst, solltest du immer auch die Kindersitz-Seiten aus deinem Auto-Handbuch lesen. 

In meist ziemlich unübersichtlichen Tabellen und Info-Texten erklärt dir dein Autohersteller, auf welchem Autositz du welche Kindersitz-Gruppe einbauen kannst und ob auf deinem Wunsch-Autositz zum Beispiel ein Kindersitz mit Stützfuß eingebaut werden darf. Du hast i-Size-Autositzplätze? Sehr gut – auf diesen Sitzplätzen darfst du jeden i-Size-Kindersitz einbauen. 

Staufach Bodenfach im Auto Problem bei Basisstationen oder Kindersitzen mit Stützfuß
Guten Tag, ich bin ein Staufach und kann dir Probleme bereiten.

Isofix oder kein Isofix?

Kein Isofix? Kein Problem. Wenn dein Auto Isofix hat, kannst du entweder einen Isofix-Reboarder kaufen oder einen Kindersitz, den du mit dem Autogurt befestigst. Wenn dein Auto kein Isofix hat oder auf dem Sitzplatz, auf dem du den Sitz einbauen willst, zum Beispiel auf dem Beifahrersitz oder auf dem mittleren Platz der Rückbank, kein Isofix vorhanden ist, ist das nicht schlimm.

Es gibt sehr viele Reboarder, die einfach mit dem Autogurt angeschnallt werden. Diese Sitze sind – vorausgesetzt, sie sind richtig eingebaut – genauso sicher wie Isofix-Sitze. 

Da die meisten Eltern ihren Reboarder nur selten aus- oder umbauen, ist auch der gegebenenfalls etwas aufwendigere Einbau eines gegurteten Reboarders keine große Sache. 

Was ist Isofix?

Isofix ist ein standardisiertes Befestigungssystem für Kindersitze. Es besteht aus zwei Metall-Stangen, die du - wenn dein Auto Isofix hat - unten an der Rückenlehne deiner Autositze findest. Alle Fahrzeuge, die ab November 2014 oder später zugelassen sind, verfügen über Isofix-Sitzplätze. Bei neu eingeführten Fahrzeugtypen musste Isofix schon seit dem Jahr 2011 verbaut werden. Viele Autohersteller statten ihre Fahrzeuge schon deutlich länger mit Isofix aus.

Groß oder klein? Baby oder 3-jähriger: Welcher Reboarder für welches Kind?

Je nachdem, in welchem Alter und mit welcher Größe dein Kind in den Reboarder wechselt, kommen unterschiedliche Sitze für euch in Frage, nicht nur wegen der verschiedenen Zulassungsgrenzen und der Passform, sondern auch zum Beispiel deswegen, weil jüngere Kinder noch eine ausgeprägtere Ruheposition benötigen. 

Twist B Reboarder mit integrierter Babyschale
Junges Kind im Reboardkindersitz BeSafe iZi Twist B i-Size
Axkid ONE 3 Reboarder Kleinkind
Kleinkind im Reboarder Axkid ONE 3

Reboarder, die bereits früh und aufgrund ihrer Konstruktion und ihrer Ruheposition schon jüngeren Kindern mit 3 bis 6 Monaten oft gut passen, sind beispielsweise folgende: 

Wechselt dein Kind erst im Sitzalter oder noch etwas später mit 1, 2 oder 3 Jahren auf einen Reboardkindersitz, steht dir eine größere Auswahl an passenden Sitzen zur Verfügung. Achten kannst oder solltest du in diesem Fall darauf, dass dein Kind im neu gekauften Sitz möglichst lange rückwärts fahren kann. Zu den Reboardern, die du besonders lange verwenden kannst, gehören zum Beispiel diese hier: 

Wie du am Beyond sehen kannst, gibt es auch Reboarder, die bereits früh passen und dennoch lange verwendet werden können – das eine schließt das andere nicht aus. Wenn dein Kind allerdings recht schwer ist, kann die 22 kg-Begrenzung etwas knapp werden. Du siehst: Ziemlich viele Punkte, die du bedenken solltest. 

Was diese Kindersitze sonst noch unterscheidet und in welchen Bereichen sie besonders punkten, kannst du im Kapitel zu meinen Lieblingskindersitzen nachlesen: ➞ Reboarder – meine Top 10. Beachte außerdem, dass meine Vorschläge nur eine Auswahl sind und es noch viele weitere Reboardkindersitze gibt, die für dein Kind geeignet sein können. 

Eine Frage, die sich Eltern bei der Auswahl ihres Reboarders auch immer wieder stellen, ist die, ob sie einen Sitz mit Drehfunktion kaufen sollten oder nicht. Schauen wir uns deshalb einmal an, was es mit der Drehfunktion beim Kindersitz auf sich hat. 

Reboarder mit oder ohne Drehfunktion?

Mit der Drehfunktion beim Reboarder können zwei verschiedene Funktionen gemeint sein: 

  1. Drehfunktion zur Seite: Viele Reboarder können zur Seite gedreht werden, vielleicht kennst du das auch schon von deiner Babyschale. Kindersitze, die zur Seite gedreht werden können, erleichtern es uns Eltern, unsere Kinder in den Sitz zu setzen, sie anzuschnallen und sie wieder aus dem Kindersitz zu holen. 
  2. Drehfunktion nach vorne: Wenn der Reboarder nach vorne gedreht werden kann, kann er auch in Fahrtrichtung (als Vorwärtssitz) verwendet werden. 

Brauchst du eine Drehfunktion zur Seite?

Wenn du deinen Kindersitz zur Seite drehen kannst, ist es für dich einfacher, dein Kind in den Sitz zu setzen und anzuschnallen. Die Drehfunktion erleichtert aber nicht nur das Handling des Sitzes, sie erhöht auch die Sicherheit. Wie das? Bei einem gedrehten Sitz kannst du dein Kind wunderbar gerade und mittig in die Sitzschale setzen, weil du eine freie Sicht hast. Außerdem kommst du besser an die Gurte und das Gurtschloss – weniger Stress, mehr Übersicht.

Meiner Erfahrung nach schnallen viele Eltern ihre Kinder in zur Seite drehbaren Sitzen ordentlicher an: Die Gurte liegen näher am Hals, sind seltener verdreht und oftmals straffer, ein echter Sicherheitsgewinn.

Kannst du trotzdem ohne Drehfunktion leben? Ja, aber nicht ganz so bequem. Die Drehfunktion ist praktisch, aber wenn du den Dreh mit dem Anschnallen einmal raus hast, klappt es auch problemlos ohne gedrehten Sitz. Millionen Kinder werden jeden Tag sicher angeschnallt ohne dass sie zur Seite gedreht werden – und sobald dein Kind etwas größer ist, wirst du die Funktion wahrscheinlich sowieso nicht mehr nutzen. Denn bis du die Beine und Füße deines kleinen Oktopus so zusammengerollt hast, dass sie beim Drehen nicht irgendwo andöngeln, ist er längst angeschnallt.

⚠ Sicherheitshinweis, weil ich das leider selbst schon gesehen habe: Bitte lass dein Kind niemals seitlich gedreht im Kindersitz fahren, damit es mehr sieht. Ein Kindersitz ist nicht dazu konstruiert, so verwendet zu werden. Du riskierst nicht nur Schäden am Kindersitz, sondern auch, dass dein Kind bei einem Unfall schwer verletzt wird.

Kindersitz im Kreis drehen
Alles dreht sich ums Kind, sogar der Sitz. Hier: Drehfunktion am Joie i-Harbour

Wenn du deinem Kindersitz und seiner Drehfunktion einen Gefallen tun möchtest, fährst du den Sitz auch ohne Kind nicht seitlich. Er wird davon nicht sofort kaputt gehen, aber manchmal ist Vorsicht besser als Nachsicht. Apropos Vorsicht: Drehfunktionen sind oft ein bisschen sensibel, was Sand und Krümel angeht. Nach dem Ausflug an den Strand solltest du dein Kind deshalb besser erst ordentlich ausschütteln, bevor du es in den Sitz setzt, damit die Drehfunktion auch weiterhin wunderbar funktioniert. 😊 Es knarzt und schleift schon etwas? Probiere es mit dem Staubsauger und Druckluft von der Tankstelle. So sind die Krümel raus und das Karussell funktioniert wieder. 🎠

Brauchst du eine Drehfunktion nach vorne?

Die meisten Reboarder in Deutschland können auch nach vorne gedreht werden, um das Kind in Fahrtrichtung zu setzen. Warum schreibe ich „in Deutschland“? Weil es in Skandinavien viel mehr Kindersitze als bei uns gibt, die diese Funktion nicht haben, da es dort viel selbstverständlicher als bei uns ist, Kinder bis zum Alter von 4, 5, 6 oder 7 Jahren rückwärts zu transportieren. Falls du hier im Kapitel eingestiegen bist und meinen ➞ Reboarder-Ratgeber nicht von Beginn an gelesen hast, findest du hier einen kleinen Länder-Vergleich: ➞ Reboarder in anderen Ländern. 

Brauchst du einen Reboarder mit Vorwärtsfahrfunktion? Meinetwegen nicht. ☺ Dein Kind kann in 99 % aller Reboarder bis zum Ende der Nutzungszeit rückwärts fahren und meiner Erfahrung nach haben nur die allerwenigsten Kinder ein Problem mit dem Rückwärtsfahren – und wenn sie es haben, liegt es meist nicht an der Fahrtrichtung, sondern daran, dass jemand ihnen gesagt hat, dass das Fahren im Reboarder doch unbequem sein muss. 

Du möchtest aber wenigstens die Option haben, für den Fall der Fälle? Ja, bitte, es spricht nichts dagegen, einen Sitz zu kaufen, der beides kann. Und einen weiteren Vorteil hat die Vorwärtsfunktion auch: Sie erleichtert dir später den Weiterverkauf deines Sitzes, weil der Käuferkreis für Sitze, die vorwärts und rückwärts verwendet werden können, größer ist und du den Sitz so besser und schneller los wirst. 

Gut zu wissen: Eine Drehfunktion und eine lange Nutzungsdauer schließen sich beim Reboarder fast immer aus

Bevor du lange und erfolglos suchst: Die meisten Reboarder mit Drehfunktion können nur bis zu einer Körpergröße von 105 cm verwendet werden. Reboardkindersitze, die bis 125 cm rückwärts und vorwärts genutzt werden können, sind selten. Das kann bespielsweise das BeSafe Beyond-System (auf 22 kg begrenzt), aber das ist wirklich selten. Wenn dein Auto kein Isofix hat, kannst du keinen Reboarder mit Drehfunktion einbauen, alle aktuell erhältlichen Reboarder mit Drehfunktion benötigen Isofix.

Die häufigsten Fehler beim Kauf eines Reboarders

Nachdem du bis hierher gelesen hast, kennst du dich schon ziemlich gut mit Reboardern aus. Damit du den Kauf bzw. die Auswahl deines Reboarders aber nicht irgendwann bereust, gebe ich dir noch ein paar letzte Tipps mit an die Hand. In diese Fallen sind andere Eltern schon gestolpert – dein Glück, du kannst sie jetzt umschiffen: 

  • Dein Kind ist ziemlich groß für sein Alter? Achte darauf, einen lange passenden Reboarder zu kaufen, damit du in 1, 2 Jahren nicht schon wieder einen neuen Sitz kaufen musst und vor dem Dilemma stehst, dass du einen weiteren Reboarder brauchst, weil dein Kind für den Folgesitz noch zu klein und zu jung ist. 
  • Der Testsieger von Stiftung Warentest oder dem ADAC kann nur gut sein? Ist er sicherlich auch, aber passt er zu deinem Kind und in dein Auto? Bitte immer ausprobieren. Und gerne vorher hier lesen: ➞ Warum du nicht den Testsieger kaufen solltest. 
Frau bereut Fehler beim Kindersitzkauf
Das ist Stefanie. Stefanie wollte alles richtig machen und hat trotzdem den falschen Sitz erwischt. Lerne jetzt aus Stefanies Fehlern!
  • Das Angebot klang ziemlich verlockend und Reboarder ist Reboarder? Bitte keine Impulskäufe beim Reboarder. Geld zu sparen ist immer super, aber du kaufst den Sitz, weil er gut zu euch passt und nicht, weil er 100 € günstiger ist. 
  • Nach der Beratung im Fachgeschäft passen 2 Sitze am besten zu euch, deine Freundin findet aber beide viel zu teuer und außerdem kann ihr Reboarder genau das gleiche? Das kann sein, ist aber recht unwahrscheinlich. Empfehlungen von Freunden sind wertvoll, aber nimm am besten das Telefon in die Hand und frag noch einmal im Fachgeschäft nach, warum dir genau diese beiden Sitze empfohlen wurden und nicht die anderen. Oder wirf einen Blick auf deine Rückbank: Wenn sie ziemlich steil ist, hast du den Grund wahrscheinlich gerade selbst gefunden. 🙂 

Und zu guter Letzt: Lass dich nicht von besonderen Funktionen, einem schicken Design oder einer bestimmten Bezug-Farbe blenden. Wichtig ist, dass du den passenden Sitz findest, schließlich soll er dein Kind und dich viele Jahre lang begleiten und euch nicht im Alltag nerven. Apropos begleiten: Irgendwann ist auch der beste Reboarder zu klein, aber woran erkennst du das eigentlich?

Wann der Reboarder zu klein ist

Ich drehe den Spieß einmal um und erkläre dir zuerst, wann der Reboarder nicht zu klein ist:

  • Dein Kind stößt mit den Beinen an der Rückenlehne an? Das war schon bei der Babyschale kein Problem und ist auch keines beim Reboarder. Kein Grund, den Sitz in Fahrtrichtung zu drehen oder einen größeren zu kaufen. Wenn du magst, kannst du aber gerne hier weiterlesen: ➞ Kinder sind aus Gummi.
  • Der Kopf deines Kindes ragt über die Kopfstütze? Du weißt, dass das bei der Babyschale ein KO-Kriterium ist, sehr gut. Beim Reboarder ist es allerdings völlig normal, dass der Kopf irgendwann über die Kopfstütze hinausragt. Entscheidend ist nicht die Kopfposition, sondern dass die Schultergurte im Sitz auf der richtigen Höhe sind (bitte die Anleitung lesen) und dass dein Kind immer fest angeschnallt ist. Bei Babyschalen gilt das Kopfkriterium, weil sie flacher im Auto stehen und bei einem Frontalaufprall das Risiko besteht, dass dein Kind mit dem Kopf am Vordersitz oder dem Armaturenbrett anschlägt. Im Reboarder sitzt dein Kind aufrechter, sodass die Gefahr geringer ist.
Airbag safety label from the UNECE

Warnlabel der UNECE aus der R 129: Dein Kind darf im Alter zwischen 0 und 15 Monaten nicht vorwärts fahren. Quelle: Wikimedia Commons
  • Dein Kind wiegt 15 kg? Keine Sorge, du brauchst keinen neuen Sitz. Dieses Missverständnis ist weit verbreitet, aber eine 15-kg-Grenze gibt es bei Reboardern nicht. Woher kommt die Verwirrung? Schau mal genauer auf das Warnschild, dort siehst du ein kleines Babygesicht und die Angabe „0-15 M“. Diese Abkürzung steht für Monate, nicht für Kilogramm. Das Schild sagt nur: „Transportiere ein Kind unter 15 Monaten nicht vorwärtsgerichtet.“ Viele Eltern lesen diese Kennzeichnung als Gewicht, obwohl sich die Erfinder der Norm wirklich Mühe gegeben haben, es eindeutig zu machen. Und die Eltern, die es falsch lesen? Sind oft etwas kleinlaut und dann umso erleichterter, weil der Reboarder doch noch nicht ausgedient hat. 😁
  • Andere sagen, dass der Reboarder zu klein ist? Andere sagen auch: Mein Leon würde ja nie, wir würden ja immer, früher war alles besser … Andere sagen viel, wichtig ist, dass du weißt, wann der Reboarder wirklich zu klein ist. 

Und wann der Reboarder wirklich nicht mehr passt, finden wir jetzt heraus. 

Du solltest in den nächsten Kindersitz wechseln, wenn...

Der Reboarder ist wirklich zu klein, wenn …

  • …die Größen oder die Gewichtsbegrenzung erreicht ist: Eine der beiden Begrenzungen reicht aus. In diesem Fall darfst du deinen Kindersitz nicht mehr nutzen. Übrigens: Das Gewicht gilt inklusive Kleidung (und nein, dein Kind ohne Kleidung anzuschnallen, ist keine Option)
  • … die Schultergurte des Sitzes so weit von unterhalb der Schulter deines Kindes kommen, dass du dein Kind nicht mehr gut anschnallen kannst: Das kommt bei neueren Reboardern kaum noch vor. Kommen die Gurte jedoch so weit von unten, dass sie einen Bogen über die Schulter deines Kindes machen, solltest du den Sitz wechseln. Bevor du wechselst, prüfe bitte, ob die Schultergurte an der Rückseite des Sitzes händisch nach oben gestellt werden müssen und du das vielleicht nur noch nicht gemacht hast. 
  • … die Augen-Ohren-Linie deines Kindes oberhalb der Kopfstütze ist. Auch das kommt heute quasi nicht mehr vor, wenn sich dein Kind innerhalb der Zulassungsgrenzen des Reboarders befindet. Sollte der Kopf deines Kindes jedoch weit über die Kopfstütze hinausragen (und du hast die Kopfstütze bereits komplett nach oben gestellt, vielleicht prüfst du das zuerst? 😊), solltest du ebenso auf einen neuen Kindersitz wechseln. 

Dein Kind fühlt sich im Reboarder nicht mehr wohl? Das kann vorkommen, liegt aber selten am Rückwärtsfahren. Bevor du auf einen anderen Sitz wechselst, kannst du prüfen, ob dein Kind richtig im Sitz sitzt (mit dem Po in der Kuhle, mittig, mit dem Rücken an der Rückenlehne, nicht im Hohlkreuz), ob du richtig anschnallst (➞ zu meinem Anschnall-Ratgeber), ob du den Sitz vielleicht mit mehr Beinfreiheit einbauen kannst und ob es Verkleinerungskissen oder andere Einlagen für deinen Kindersitz gibt, um es deinem Kind gemütlicher zu machen. 

Deinem Kind wird schlecht? Das ändert sich leider nur selten beim Wechsel der Fahrtrichtung, aber vielleicht helfen dir meine Tipps aus dem Mythen-Kapitel: ➞ Tipps bei Reise-Übelkeit. 

Du denkst darüber nach, vom Reboarder in den Folgesitz, in dem dein Kind nur noch mit dem Autogurt angeschnallt wird, zu wechseln? In dem Fall möchte ich dir diesen Artikel ans Herz legen: ➞ Voraussetzungen für den Wechsel in den Folgesitz. 

Und jetzt? 

Holen wir uns eine neue Tasse Kaffee. ☕ Ja, meinetwegen auch Tee – mach dich bereit für mein Kapitel 3. In diesem Kapitel stelle ich dir meine Lieblingsreboarder vor und erkläre dir genau, welcher Kindersitz für euch geeignet ist. Kekse?

Nach oben scrollen
DSGVO Cookie Consent mit Real Cookie Banner