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Kindersitz auf dem Beifahrersitz? Regeln, Sicherheit und Airbag-Hinweise

Schnellantwort: Ja, Kindersitze sind auf dem Beifahrersitz erlaubt, allerdings nur unter bestimmten Bedingungen.

  • Das Auto-Handbuch muss den Einbau eines Kindersitzes auf dem Beifahrersitz erlauben. 
  • Bei rückwärtsgerichteten Sitzen (Babyschalen, Reboarder) muss der Airbag IMMER deaktiviert sein.
  • Bei vorwärtsgerichteten Kindersitzen findest du im Bordbuch Informationen dazu, ob der Airbag aktiviert oder deaktiviert sein muss und wie du den Autositz gegebenenfalls einstellen musst. Die meisten Autohandbücher schreiben vor, den Autositz ganz nach hinten zu schieben, wenn du einen Vorwärtssitz installierst. 

Warum das so ist und viele weitere Informationen findest du in meinem Artikel. 

Kerstin, Gründerin von Sitzkitz

Hallo, ich bin Kerstin, Kindersitz-Spezialistin und Mama von 7 Kindern. In den letzten 15 Jahren saß bei uns fast immer ein Kind mit oder ohne Kindersitz auf dem Beifahrersitz - entweder weil das Baby unsere Nähe brauchte oder weil einer Familie wie uns im Kleinbus mit drei Sitzen in der ersten Reihe gar keine andere Wahl bleibt. Und weil ich schon weit über 10 Jahre im Kindersitz-Bereich aktiv bin, weiß ich, dass sich sehr viele Eltern genau wie du fragen, ob ein Kindersitz auf dem Beifahrersitz stehen darf und was sie beim Einbau beachten müssen.

Insofern: Bitteschön, mein Blogartikel zum Thema Kindersitz bzw. Kind auf dem Beifahrersitz. Mit Klick auf einen Punkt im Inhaltsverzeichnis gelangst du direkt zu der Stelle, die dich interessiert. Wenn du neugierig bist, kannst du dir auch gerne erst mehr über mich durchlesen. 😃

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Inhaltsverzeichnis: Kindersitz auf dem Beifahrersitz

BeSafe Stretch auf dem Beifahrersitz
Hier siehst du den BeSafe Stretch, einen Reboarder, auf dem Beifahrersitz

Dürfen Kinder auf dem Beifahrersitz sitzen?

Ja, Kinder dürfen grundsätzlich auf dem Beifahrersitz sitzen, sowohl im Kindersitz als auch später ohne Sitz, wenn sie nicht mehr kindersitzpflichtig sind. § 21 Absatz 1a der Straßenverkehrsordnung (StVO) regelt die Kindersitzpflicht in Deutschland und besagt:

Die Kindersitzpflicht: § 21 Absatz 1a StVO

"Kinder bis zum vollendeten 12. Lebensjahr, die kleiner als 150 cm sind, dürfen in Kraftfahrzeugen auf Sitzen, für die Sicherheitsgurte vorgeschrieben sind, nur mitgenommen werden, wenn Rückhalteeinrichtungen für Kinder benutzt werden, die (...) für das Kind geeignet sind."

Der Gesetzgeber unterscheidet nicht zwischen den unterschiedlichen Plätzen im Auto, der Beifahrersitz spielt lediglich bei den Ausnahmen von der Kindersitzpflicht eine Rolle. Welche das sind und ob sie für dich relevant sind, kannst du hier herausfinden: Die Kindersitzpflicht in Deutschland und im europäischen Ausland. 

⚠ Wichtig ist:
Du musst vor dem Einbau eines Sitzes immer im Handbuch deines Fahrzeugs nachlesen, ob dein Auto-Hersteller den Einbau eines Kindersitzes erlaubt, denn nicht bei jedem Fahrzeug ist der Einbau von Kindersitzen auf dem Vordersitz gestattet. Bei manchen Automodellen sind vorne gar keine Kindersitze erlaubt, bei wiederum anderen ist nur der Einbau von Sitzen bestimmter Kindersitzgruppen freigegeben. 

Warum erlauben manche Hersteller den Einbau eines Sitzes auf dem Vordersitz nicht?

Es gibt verschiedene Gründe dafür, dass Auto-Hersteller den Einbau eines Kindersitzes auf dem Beifahrersitz nicht freigeben. Das kann beispielsweise daran liegen, dass der Airbag nicht abschaltbar ist, an der Fahrzeug-Geometrie oder daran, dass der Hersteller deines Automodells Kinder aus Sicherheitsgründen lieber auf der Rückbank sieht. 

Mein Tipp: Manchmal steht im Handbuch eine Wendung wie „Kinder sollten … auf der Rückbank sitzen.“ Hierbei handelt es sich nicht um ein Verbot, sondern lediglich um eine Empfehlung des Herstellers. Die Kindersitz-Tabelle in deinem Handbuch gibt verbindliche Anweisungen zum Einbau von Kindersitzen auf dem Beifahrersitz (und falls nicht, frag gerne bei deinem Auto-Hersteller nach). 

Ist denn der Beifahrersitz so viel unsicherer als Autositze im Fond?

Baby auf dem Beifahrersitz im Reboarder von Axkid
Reboardkindersitz von Axkid auf dem Beifahrersitz

Wie sicher ist der Vordersitz für Kinder?

Oft fragen sich (oder mich) Eltern nicht nur, ob ihre Babyschale oder der Kindersitz auf dem Beifahrersitz eingebaut werden darf, sondern auch, ob das überhaupt sicher ist. 

Statistisch am sichersten ist der mittlere Platz der Rückbank, denn dort hat dein Kind bei einem Unfall die größte Knautschzone. Allerdings ist es gerade bei diesem Platz häufig nicht möglich, einen Kindersitz einzubauen, weil dieser Sitz zum Beispiel nur einen Beckengurt hat, zu schmal für einen Kindersitz ist oder der Autohersteller an dieser Stelle den Einbau eines Kindersitzes nicht erlaubt. 

Dazu kommt, dass es spätestens bei einem zweiten Kind denkbar schwierig wird, für beide Kindersitze den mittleren Platz zu nutzen, wenn du nicht gerade zwei bzw. drei Reihen in deinem Auto hast. Und wenn du so viele Kinder hast wie wir, wirst du irgendwann früher oder später ohnehin ein Kind auf den Beifahrersitz setzen müssen. Das heißt: Manchmal hast du auch einfach keine andere Wahl als den Kindersitz auf dem Vordersitz einzubauen. Und der ist, wenn du den ADAC fragst – und das machen wir jetzt – im Zweifelsfall auch eine gute und sichere Lösung. 

ADAC-Grafik: Vor- und Nachteile von Beifahrersitz und Rückbank im Hinblick auf Kindersitze

Der ADAC veröffentlicht regelmäßig eine Grafik wie die folgende, auf der du sehen kannst, inwieweit bestimmte Autositze für den Einbau eines Kindersitzes geeignet sein können oder nicht. 

Grafik ADAC: Welcher Autorsitz ist für Kinder sicher?
Übersicht: Welcher Sitzplatz im Auto ist für einen Kindersitz geeignet? © ADAC e. V.

Die Ampelfarben sind in meinen Augen etwas unglücklich gewählt, denn sie suggerieren, der Mittelplatz wäre für Kindersitze nicht geeignet oder nicht sicher, das kann bei deinem Fahrzeug allerdings anders sein. 

Das gleiche gilt für den Beifahrersitz: 
Der ADAC weist zum Beispiel darauf hin, dass ein Baby auf dem Beifahrersitz den Fahrer oder die Fahrerin ablenken kann und sicherlich gibt es das, möglich ist aber natürlich auch genau das Gegenteil: Dein Baby weint auf der Rückbank ununterbrochen (Ablenkung!), ist dafür aber auf dem Beifahrersitz vielleicht tiefenentspannt. 

Genauso möglich ist, dass dein Auto Isofix auf dem Beifahrersitz hat oder du für den Einbau deiner Babyschale oder deines Kindersitzes gar kein Isofix brauchst. 

Ich habe dir die möglichen Vor- und Nachteile des Beifahrersitzes einmal zusammengefasst.

Vor- und Nachteile eines Kindersitzes auf dem Beifahrerplatz

Meine Empfehlung:

Wenn der Einbau deines Sitzes auf der Rückbank funktioniert und dein Kind dort glücklich ist, bau deinen Sitz am besten auf der Rückbank ein. Statistisch am sichersten ist der Platz in der Mitte. Wenn das - weil du mehrere Kinder hast, weil dein Kind auf der Rückbank unglücklich ist oder aus anderen Gründen - nicht klappt, ist der Beifahrersitz eine gute Lösung.

Sehen wir uns jetzt noch genauer an, was du beachten musst, wenn du eine Babyschale oder einen Kindersitz auf dem Beifahrerplatz installierst. 

Babyschalen und Reboarder auf dem Beifahrersitz

Ein Kind auf den Beifahrersitz zu setzen, ist keine neue Idee. In den 60er Jahren erfand Volvo, seit jeher Vorreiter in puncto Sicherheit, zum Beispiel eine Lösung, um den Beifahrersitz umzudrehen und Kinder so ➞ rückwärts und besonders sicher zu transportieren. Der Beifahrersitz bot aber noch einen weiteren Vorteil: Das Kind konnte auf der Gehwegseite, also auf der von der Straße abgewandten Seite, in das Auto ein- und aus dem Auto aussteigen. Neugierig? Das kannst du dir hier ansehen: ➞ Das Volvo Umrüstkit für den Beifahrersitz.

Was Eltern damals allerdings noch nicht beachten mussten und heute umso wichtiger ist, war der Beifahrer-Airbag, denn das Sicherheitskissen für den Vordersitz etablierte sich erst später in den 90er Jahren. 

Erkläre ich dir jetzt noch einmal, dass der Airbag beim Einbau von Babyschalen und rückwärtsgerichteten Kindersitzen unbedingt und immer abgeschaltet sein muss? Ja! Und weißt du, warum? Weil trotz Warnschildern im Auto und auf den Kindersitzen immer noch viel zu viele Eltern vergessen, den Airbag zu deaktivieren, wenn sie einen Kindersitz entgegen der Fahrtrichtung einbauen. 

Das zeigt nicht nur meine jahrelange Erfahrung in der Kindersitzberatung, sondern auch eine Studie der Unfallforschung der Versicherer, zu der ich hier geschrieben habe: Lebensgefährlicher Fehler: Airbag aktiviert beim Einbau der Babyschale. Deshalb folgt nun noch etwas Sensibilisierung in Form einer Erklärung und eines erschreckenden Crashtest-Videos aus dem Jahr 2009. 

Wenn du einen Vorwärtssitz einbauen möchtest und den Teil überspringen willst, kannst du hier klicken: 🠗 Beifahrer-Airbag beim Vorwärtssitz

⚠ Airbag bei rückwärtsgerichteten Kindersitzen - immer deaktivieren!

Airbag an oder aus beim Kindersitz auf dem Beifahrersitz? Bei Kindersitzen, die entgegen der Fahrtrichtung eingebaut werden, also Babyschalen und Reboardkindersitzen, ist die Vorgabe eindeutig: Der Airbag muss immer abgeschaltet sein. 

Das ist nicht nur eine Empfehlung, sondern – weil es lebenswichtig ist – sogar eine gesetzliche Vorgabe. Der Gesetzgeber verbietet den Einbau von nach hinten gerichteten Kindersitzen bei aktiviertem Airbag:

Einbau-Verbot von rückwärtsgerichteten Sitzen bei aktiviertem Airbag: § 35a Absatz 8 StVZO

"Auf Beifahrerplätzen, vor denen ein betriebsbereiter Airbag eingebaut ist, dürfen nach hinten gerichtete Rückhalteeinrichtungen für Kinder nicht angebracht sein. Diese Beifahrerplätze müssen mit einem Warnhinweis vor der Verwendung einer nach hinten gerichteten Rückhalteeinrichtung für Kinder auf diesem Platz versehen sein. Der Warnhinweis in Form eines Piktogramms kann auch einen erläuternden Text enthalten. Er muss dauerhaft angebracht und so angeordnet sein, dass er für eine Person, die eine nach hinten gerichtete Rückhalteeinrichtung für Kinder einbauen will, deutlich sichtbar ist. Anlage XXVIII zeigt ein Beispiel für ein Piktogramm. Falls der Warnhinweis bei geschlossener Tür nicht sichtbar ist, soll ein dauerhafter Hinweis auf das Vorhandensein eines Beifahrerairbags vom Beifahrerplatz aus gut zu sehen sein."

Deshalb ist der Airbag für ein rückwärts sitzendes Kind so gefährlich

Warum ist der Airbag so gefährlich? Der Airbag entfaltet sich bei einem Unfall innerhalb von Millisekunden mit einer Anfangsgeschwindigkeit von über 200 km/h. Das ist wichtig, damit der Airbag den Erwachsenen rechtzeitig auffangen kann und schwere(re) Verletzungen reduziert. 

Fatal ist das allerdings, wenn deine Babyschale oder der rückwärtsgerichtete Kleinkindsitz auf dem Beifahrersitz steht, denn in diesem Fall wird der Kindersitz mit genau dieser Geschwindigkeit gegen die Rückenlehne des Autositzes geschleudert

ÖAMTC und ADAC haben im Jahr 2009 Versuche mit der Babyschale auf dem Beifahrersitz durchgeführt (➞ APA-Pressemitteilung zum Test)- einmal mit deaktiviertem und ein weiteres Mal mit aktiviertem Airbag. 

Das Fazit des ÖAMTC-Technikers zum Test ist deutlich und erschreckend: Den Fehler, den Airbag beim Einbau der Babyschale nicht abzuschalten, kann ein Baby bereits bei einem Unfall im Stadtverkehr mit seinem Leben bezahlen. 

Airbag-Schild an der Sonnenblende zur Sensibilisierung von Eltern

ÖAMTC-Kindersitztest 2009: Babyschale auf dem Beifahrersitz

Was haben die Testinstitute beim Airbag-Test geprüft?
ÖAMTC und ADAC haben 2009 einen Frontalzusammenstoß bei 64 km/h simuliert, einmal mit deaktiviertem und einmal mit aktiviertem Airbag. Die Babyschale stand dabei rückwärts auf dem Beifahrersitz.

  • Das Ergebnis mit deaktiviertem Airbag: Der Baby-Dummy blieb nahezu unverletzt. Die Babyschale hat genau das getan, wofür sie konstruiert wurde, sie hat das Kind geschützt.
  • Das Ergebnis mit aktiviertem Airbag: Beim Aufprall entfaltete sich der Airbag explosionsartig und schleuderte die Babyschale mit voller Wucht gegen die Rückenlehne des Beifahrersitzes. Bei so einem Unfall drohen schwerste Verletzungen bis hin zum Genickbruch, denn die Kraft auf das empfindliche Genick des Babys war im Versuch mehr als doppelt so hoch wie die Kraft, die allein durch den Aufprall auf den Nacken gewirkt hätte. 

Das Fazit des ÖAMTC-Technikers Steffan Kerbl: „Es ist für das Kind lebensgefährlich. Tödlich. (…) Es kann nur tödlich sein.“

Versuchsaufbau Frontalcrash mit 64 km/h: Babyschale auf dem Beifahrersitz, Foto aus dem gemeinsamen Test von ADAC und ÖAMTC, 2009 © ADAC e. V.
Crashtest Babyschale mit aktiviertem Beifahrer-Airbag, ADAC/ÖAMTC 2009
Babyschale auf dem Beifahrersitz bei aktiviertem Airbag: Foto aus dem gemeinsamen Test des ADAC und des ÖAMTC aus dem Jahr 2009. Der Airbag katapultiert die Babyschale gegen den Autositz. © ADAC e. V.

Die Verletzungen beim Kind entstehen nicht durch den Aufprall beim Unfall, sondern durch die Wucht des sich entfaltenden Airbags. Das bedeutet: Auch ein vermeintlich harmloser Unfall im Stadtverkehr kann für dein Baby tödlich enden, wenn der Airbag aktiviert ist. Denn bedenken müssen wir auch, dass die Auslöseschwelle eines Airbags bei lediglich 25 bis 30 km/h Aufprallgeschwindigkeit liegt.

Im Video des ÖAMTC kannst du dir den Crashtest mit einem aktiven Beifahrer-Airbag (Min 0:12) selbst ansehen. Die Bilder sind drastisch, aber auch einprägsam, sie zeigen unmissverständlich, warum der Airbag bei rückwärtsgerichteten Kindersitzen IMMER deaktiviert sein muss. 

Weiter unten in meinem Text findest du auch noch ein weiteres 🠗 Video vom ADAC, in dem die Babyschalen-Versuche (Min 1:50) gezeigt werden. 

ÖAMTC Crashtest 2009 - Video zu Kindersitzen auf dem Beifahrerplatz

Erschreckend, oder? Ich bin sicher, du wirst spätestens nach diesem Video niemals vergessen, den Airbag zu deaktivieren, wenn du einen Kindersitz rückwärts auf den Beifahrersitz stellst. 

Apropos Airbag deaktivieren: Wie geht das eigentlich? Auch dazu habe ich eine kleine Anleitung geschrieben. Beachte allerdings, dass es bei deinem Fahrzeug anders gelöst sein kann, Informationen zum Airbag findest du immer in der Anleitung zu deinem Auto. 

So schaltest du den Beifahrer-Airbag ab

Variante 1: Schlüsselschalter
Viele Fahrzeuge haben seitlich am Armaturenbrett oder im Handschuhfach einen kleinen Schlüsselschalter. Zum Deaktivieren des Airbags drehst du den Schalter mit dem Fahrzeugschlüssel auf "OFF".
💡 Symbol: Häufig ein sitzender Mensch im Profil mit einem Kreis vor dem Oberkörper (Airbag) oder die Beschriftung "AIRBAG ON/OFF". Nach dem Abschalten siehst du eine Kontrollleuchte "PASSENGER AIRBAG OFF".

Variante 2: Automatische Deaktivierung
Moderne Fahrzeuge erkennen zum Teil über Sensoren im Sitz, ob ein Kindersitz installiert ist, und deaktivieren den Airbag automatisch.
⚠ Wichtig: Verlasse dich nicht blind darauf, prüfe immer, ob die Kontrollleuchte wirklich „OFF“ anzeigt.
💡 Symbol: Gelbe Kontrollleuchte mit Airbag-Symbol oder Text "PASSENGER AIRBAG OFF".

Variante 3: Manuelle Deaktivierung über den Bordcomputer
Bei einigen Fahrzeug-Modellen erfolgt die Steuerung über das Infotainment-System oder einen Menüpunkt im Bordcomputer.
💡 Symbol: Anzeige im Display, meist mit Text "AIRBAG OFF" oder einem Airbag-Symbol. Auch hier gilt: Prüfe immer die Kontroll-Leuchte!

Wie der Airbag in deinem Fahrzeug deaktiviert wird, kannst und solltest du immer im Auto-Handbuch nachlesen. Denke außerdem immer daran, den Airbag unbedingt wieder zu aktivieren, wenn ein Erwachsener auf dem Beifahrersitz mitfährt.

Du siehst, bei der Babyschale oder beim Reboarder ist es einfach, der Beifahrer-Airbag muss immer aus sein. Etwas komplizierter verhält es sich, wenn du einen Kindersitz in Fahrtrichtung auf dem Vordersitz einbauen willst. 

Kind auf dem Beifahrersitz? Ja, aber... bitte im Kindersitz und nur mit Erlaubnis des Fahrzeugherstellers

Vorwärtssitze der Gruppe 1 und Folgesitze der Gruppe 2/3 auf dem Beifahrersitz

Schnellantwort: Vorwärtssitz auf dem Beifahrersitz – ja oder nein?

Anders als bei rückwärtsgerichteten Kindersitzen (Airbag immer aus) gibt es bei Vorwärtssitzen keine feste Vorgabe. Wichtig sind die Angaben in deinem Auto-Handbuch:

  • Ist der Einbau für diese Kindersitzgruppe auf dem Beifahrersitz erlaubt?
  • Muss der Airbag an oder aus sein, wenn ein Kindersitz auf dem Vordersitz steht? Meistens muss der Airbag an bleiben. 
  • Wenn der Einbau erlaubt ist: Wie muss der Autositz eingestellt werden? Meistens muss der Sitz ganz nach hinten geschoben werden.
  • Stimmt der Gurtverlauf am Kind im Folgesitz noch, wenn der Autositz ganz nach hinten geschoben ist?

Warum das bei Vorwärtssitzen so unterschiedlich gehandhabt wird? Ich führe die Details gleich noch aus und zeige dir einen Crashtest eines Gruppe 2/3-Kindersitzes auf dem Beifahrersitz, der zeigt, warum die richtige Autositz-Einstellung bei Kindersitzen in Fahrtrichtung so wichtig ist. 

Airbag bei vorwärtsgerichteten Kindersitzen - an oder aus?

Bevor du einen Kindersitz in Fahrtrichtung auf deinem Beifahrersitz einbaust, lies unbedingt dein Auto-Handbuch. Du hast es nicht zur Hand? Meistens findest du es auch online. 

  1. Erlaubnis prüfen: Lies nach, ob dein Autohersteller den Einbau eines Kindersitzes auf dem Beifahrersitz erlaubt und für welche Kindersitzgruppe das gilt. Manchmal erlauben Fahrzeug-Hersteller gar keine Kindersitze auf dem Beifahrersitz, manchmal sind nur bestimmte Kindersitz-Gruppen freigegeben. 
  2. Richtiger Airbag-Status: Wenn ein Vorwärtskindersitz auf dem Vordersitz erlaubt ist, findest du meistens einen Hinweis im Handbuch, ob der Airbag auf On oder auf Off stehen muss. Zum Teil fehlt ein solcher Hinweis allerdings und das Handbuch geht nur auf rückwärtsgerichtete Kindersitze ein. In diesem Fall kannst du davon ausgehen, dass der Airbag bei einem Vorwärtssitz aktiviert bleiben muss. 
  3. Autositz-Einstellung anpassen: Häufig findest du im Handbuch außerdem einen Hinweis dazu, dass der Beifahrersitz möglichst weit nach hinten geschoben werden muss, wenn du einen Vorwärtssitz einbaust. Den Hintergrund dazu erkläre ich dir in den nächsten Absätzen. Außerdem kann es sein, dass dein Autohersteller Vorgaben dazu macht, dass der Autositz nach oben oder unten verstellt werden muss. Wichtig: Achte zudem darauf, dass die Autositz-Lehne gerade bzw. aufrecht steht und dein Kind im Folgesitz auf keinen Fall im Auto „liegt“. 
  4. Wichtig beim Kindersitz der Gruppe 2/3: Es kann passieren, dass der Gurtverlauf an deinem Kind, insbesondere der Schultergurt-Verlauf, durch die veränderte Autositz-Einstellung und dadurch, dass dein Kind so nah am Gurtansatz sitzt, nicht gut passt. In diesem Fall sollte dein Kind auf keinen Fall vorne sitzen.  
Die richtige Einstellung deines Autositzes ist wichtig, denn sie bewahrt dein Kind vor Verletzungen durch den Airbag. ADAC und ÖAMTC haben in ihrem Test 2009 auch vorwärtsgerichtete Kindersitze auf dem Beifahrersitz getestet. Sehen wir uns auch das einmal an. 

ADAC-Kindersitztest 2009 - Video: Gruppe 2/3 Kindersitz auf dem Beifahrersitz

Folgesitz zu nah am Beifahrer-Airbag Kindersitztest
Frontalcrash mit Gruppe 2/3-Kindersitz auf dem Beifahrersitz (Kind sitzt zu nah am Airbag), Kindersitztest 2009 © ADAC e. V.
Frontalcrash mit Gruppe 2/3-Kindersitz auf dem Beifahrersitz (Kind sitzt mit idealem Abstand vor dem Airbag), Kindersitztest 2009 © ADAC e. V.

Das folgende Video stammt wie die Fotos aus dem selben Test wie das ÖAMTC-Video zur Babyschale auf dem Beifahrersitz. 2009 haben der ADAC und der ÖAMTC gemeinsam Kindersitze auf dem Vordersitz getestet. 

Für den Frontalcrash mit 64 km/h installierten die Prüferinnen und Prüfer einen Folgesitz der Gruppe 2/3 (➞ Ratgeber zur Sitzerhöhung mit Rückenlehne) auf dem Beifahrerplatz. Getestet wurden drei Szenarien: 

  1. Folgesitz auf dem Beifahrersitz + Airbag aus 
  2. Folgesitz auf dem Beifahrersitz + Airbag an, Autositz in mittlerer Einstellung (Standard-Position) und
  3. Folgesitz auf dem Beifahrersitz + Airbag an, Autositz nach hinten geschoben (ideale Position).
Das Ergebnis des Crashtests mit dem Folgesitz auf dem Beifahrersitz: 
 
Kinder in Vorwärtssitzen profitieren vom Airbag – vorausgesetzt sie sitzen nicht zu nah am Auslösepunkt. 
 

Sitzt das Kind zu nah am Airbag, drohen Verletzungen durch den Airbag selbst. Es kann durch das heiße Gas zu Verbrennungen und anderen Verletzungen im Gesichtsbereich kommen. Sitzt das Kind weit genug vom Airbag entfernt, quasi ähnlich wie der Fahrer bzw. die Fahrerin, erhöht der Airbag die Sicherheit und reduziert das Verletzungsrisiko – auch gegenüber einem deaktivierten Airbag. 

Im ADAC-Video kannst du folgende Crashtests sehen: 

  • Ab Min 1:50: Babyschale auf dem Beifahrersitz, mit aktiviertem und deaktiviertem Airbag
  • Ab Min 2:41: Kindersitz, vorwärts, zu nah am Airbag
  • Ab Min 3:13: Kindersitz, vorwärts, auf dem nach hinten geschobenen Autositz:

Du siehst: Beim Einbau eines Kindersitzes auf dem Beifahrersitz musst du einige wichtige Punkte beachten. Wenn du alle Punkte und Hinweise befolgst, kannst du dein Kind aber auch auf dem Vordersitz sicher transportieren. 

Fazit zum Kindersitz auf dem Beifahrersitz

Ich fasse kurz zusammen: Dein Kind darf rein rechtlich auf dem Beifahrersitz sitzen. Wichtig ist, dass du die Betriebsanleitung zu deinem Auto gründlich liest und beachtest. 

Die wichtigsten Punkte zum Beifahrersitz auf einen Blick

Rückwärtsgerichtete Sitze (Babyschalen, Reboarder):

  • Autohandbuch prüfen: Ist der Einbau auf dem Beifahrersitz erlaubt?
  • Airbag IMMER deaktivieren (§ 35a StVZO), bei aktiviertem Airbag besteht Lebensgefahr!
  • Airbag-Kontrollleuchte prüfen

Vorwärtsgerichtete Sitze (Kleinkind- und Folgesitze):

  • Autohandbuch prüfen: Ist der Einbau auf dem Beifahrersitz erlaubt?
  • Autositz meist ganz nach hinten schieben (Handbuch beachten)
  • Airbag bleibt häufig aktiviert (Handbuch beachten)
  • Beim Kindersitz ab 100 cm: Gurtverlauf am Kind prüfen

Generelle Empfehlung:

  • Auf der Rückbank sitzen Kinder sicherer
  • Auch der Beifahrersitz kann eine gute Lösung sein, wenn du alle wichtigen Vorgaben beachtest

FAQ: Häufige Fragen zum Kindersitz auf dem Beifahrersitz

Du liest ungern so lange Texte? Schade eigentlich – aber ich weiß, wir Eltern haben selten Zeit. Deshalb habe ich hier noch einmal alle wichtigen Fragen in Kurzform beantwortet. 

Zudem findest du in der Liste weitere häufig gestellte Elternfragen zum Kindersitz auf dem Beifahrersitz. 

Airbag an oder aus bei der Babyschale?

Beim Einbau der Babyschale muss der Airbag immer aus sein, bei aktiviertem Airbag besteht Lebensgefahr. Bitte schau auch in die Betriebsanleitung deines Autos, ob der Einbau der Babyschale auf dem Beifahrersitz erlaubt ist.  

Darf mein Baby im Auto vorne sitzen?

Ja, wenn der Einbau einer Babyschale auf dem Beifahrersitz in deinem Auto erlaubt ist. Lies dazu bitte im Bordbuch zu deinem Fahrzeug nach. Beachte: Wenn du eine Babyschale auf dem Vordersitz installierst, muss der Airbag immer aus sein, bei aktiviertem Airbag besteht Lebensgefahr für dein Baby

Airbag an oder aus beim Reboarder?

Beim Einbau eines Reboarders (= rückwärtsgerichteter Kindersitz) muss der Airbag immer aus sein, bei aktiviertem Airbag besteht Lebensgefahr. Bitte schau auch in die Betriebsanleitung deines Autos, ob der Einbau eines Reboarders auf dem Beifahrersitz erlaubt ist.  

Airbag an oder aus beim Vorwärtssitz oder Folgesitz?

Beim Einbau eines Kindersitzes, der in Fahrtrichtung eingebaut wird, musst du zuerst im Handbuch zu deinem Auto nachschauen, ob der Einbau eines Kindersitzes dieser Gruppe erlaubt ist. Wenn der Einbau freigegeben ist, findest du außerdem einen Hinweis dazu, ob der Airbag aktiviert oder deaktiviert sein muss und wie der Autositz eingestellt werden muss (meist ganz nach hinten geschoben), auf dem du den Kindersitz einbauen möchtest. 

Dürfen Kinder unter 12 Jahren auf dem Beifahrersitz sitzen?

Ja, wenn das Handbuch deines Autos den Einbau eines Kindersitzes auf dem Beifahrersitz erlaubt. Bis zur Größe von 150 cm ist dein Kind kindersitzpflichtig und darf nur im Kindersitz vorne sitzen. Ist dein Kind bereits 150 cm groß, darf es ohne Kindersitz auf dem Beifahrersitz Platz nehmen. Prüfe in diesem Fall unbedingt, ob Schulter- und Beckengurt optimal verlaufen, der Schultergurt mittig zwischen der Außenseite der Schulter und dem Hals, der Beckengurt möglichst tief und über dem Becken, nicht über den weichen Bauch. 

Kann ein Isofix-Kindersitz auf dem Beifahrersitz eingebaut werden?

Ja, wenn dein Beifahrersitz eine Isofix-Befestigung hat und dein Autohandbuch einen Kindersitz (dieser Gruppe) auf dem Vordersitz erlaubt. Achtung: Gurte einen Isofix-Kindersitz niemals einfach nur mit dem Autogurt an. Einzige Ausnahme: Ein Kindersitz der Gruppe 2/3 (Sitzerhöhung mit Rückenlehne), bei dem das Isofix nicht zwingend für den Einbau benötigt wird. 

Ist der Beifahrersitz für Kinder gefährlicher als die Rückbank?

Das kommt auf den Unfall an, den du (hoffentlich nicht) haben wirst. Grundsätzlich sind Kindersitze auf der Rückbank beim gefährlichen Frontalcrash weiter entfernt vom Aufprallpunkt als ein Kindersitz, der auf dem Beifahrersitz steht. Zudem bietet der mittlere Platz der Rückbank die meiste Knautschzone in alle Richtungen. Allerdings gibt es viele Gründe, weswegen Eltern Kindersitze auf dem Beifahrersitz einbauen wollen oder müssen: Wenn dies der Fall ist, ist auch der Beifahrersitz eine gute und sichere Lösung – vorausgesetzt du  beachtest alle Hinweise und Vorgaben in deinem Autohandbuch. 

Darf ich einen Kindersitz einbauen, wenn mein Beifahrer-Airbag nicht abschaltbar ist?

Das kommt darauf an. Einen rückwärtsgerichteten Kindersitz wie eine Babyschale oder einen Reboarder darfst du nicht einbauen, wenn sich der Airbag nicht abschalten lässt. Bei einem vorwärtsgerichteten Sitz hilft ein Blick ins Handbuch deines Fahrzeugs. Erlaubt der Autohersteller die Installation eines Vorwärtssitzes bei aktiviertem Airbag, kannst du deinen Kindersitz einbauen. Beachte in diesem Fall auch die Hinweise zur korrekten Einstellung deines Autositzes. 

Darf ein Kind ohne Kindersitz auf dem Beifahrersitz sitzen?

Ja, aber natürlich erst dann, wenn dein Kind rein rechtlich keinen Kindersitz mehr braucht. Die Kindersitzpflicht endet, sobald dein Kind entweder 150 cm groß oder 12 Jahre alt ist. Mehr zur Kindersitzpflicht kannst du auch hier in meinem Artikel nachlesen: ➞ Kindersitzpflicht in Deutschland und Europa

Wie erkenne ich, dass der Beifahrer-Airbag abgeschaltet ist?

Wenn der Airbag abgeschaltet ist, siehst du eine gelbe Kontrollleuchte „PASSENGER AIRBAG OFF“ oder es leuchtet ein entsprechendes Symbol  auf (durchgestrichenes Airbag-Piktogramm). 

Darf ich beim Transporter/Kleinbus in der 1. Reihe einen Kindersitz einbauen?

Das kommt darauf an, was dein Auto-Handbuch zum Einbau eines Kindersitzes sagt. Beachte bei Transportern mit drei Sitzen in der ersten Reihe: Der Beifahrer-Airbag kann beim Auslösen möglicherweise auch den mittleren Platz erreichen. In diesem Fall darfst du dort keine Babyschale oder keinen Reboarder einbauen, wenn der Airbag aktiviert ist. Den Airbag abschalten kannst und darfst du allerdings auch nicht, wenn ein Erwachsener auf dem Beifahrersitz sitzt. Frag in so einem Fall und wenn du keinen Hinweis im Auto-Handbuch findest, gegebenenfalls beim Autohersteller nach, ob der Airbag beide Sitze erreicht und ob du einen Kindersitz einbauen kannst. 

Du hast noch eine weitere Frage zum Einbau deines Kindersitzes auf dem Beifahrersitz? Hinterlasse mir gerne einen Kommentar oder schreib mir eine E-Mail. 😊

Du hast noch eine ganz andere Frage? Ich habe über noch viele weitere Themen geschrieben, bestimmt wirst du hier fündig: 

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