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Misuse: Neue Untersuchung zur Gurtnutzung und zur Fehlbedienung von Kindersitzen in Spanien
- Artikel von: Kerstin
- Veröffentlicht am
Wie genau nehmen wir es eigentlich mit der Gurtpflicht und wie gut sind unsere Kinder im Auto wirklich geschützt?
Diesen beiden Fragen sind die spanischen Behörden im März 2026 nachgegangen und haben zu diesem Zweck in einem Zeitraum von 7 Tagen 443.758 Fahrzeuge mit 700.000 Personen genauer unter die Lupe genommen. Die Ergebnisse der groß angelegten Kampagne sind ernüchternd (wenngleich ich aufgrund früherer Untersuchungen leider wenig überrascht darüber bin). Sehen wir uns die Ergebnisse der Untersuchung deshalb genauer an.
Die wichtigsten Zahlen und Erkenntnisse der spanischen Untersuchung:
- Zeitpunkt der Kampagne: 10. bis 16. März 2026, 7 Tage
- Untersuchte Fahrzeuge: 443.758 Fahrzeuge (PKWs, Taxis, Nutzfahrzeuge und Busse), 700.000 Personen
- Wer hat die Fahrzeuge kontrolliert? Zahlreiche Beamte der Verkehrsgruppe der Guardia Civil und zusätzliche Kräfte der lokalen Polizei
- Wo wurde kontrolliert? Sowohl in der Stadt als auch auf Landstraßen
Erkenntnisse der Kampagne:
- 6.405 Erwachsene (0,84 %) waren nicht angeschnallt
- 458 Kinder (2,4 %) mit einer Körpergröße unter 135 cm (in Spanien endet die
Kindersitzpflicht bei einer Größe 135 cm) saßen ohne Kindersitz im Auto oder der Kindersitz wurde falsch verwendet. Fast 70 Prozent dieser Verstöße wurden auf Landstraßen beobachtet.
Kampagne zur Verwendung des Sicherheitsgurts und zu Kindersitzen in Spanien
Im Rahmen der 7-tägigen Untersuchung wurden fast 7.000 Verfahren gegen Personen eingeleitet, die selbst oder deren Kinder nicht angeschnallt oder falsch gesichert waren. Ein Trauerspiel, wenn du mich fragst.
Misuse – wann sind Kinder im Kindersitz falsch gesichert?
Beispielsweise dann, wenn sie in einem für ihr Alter oder die Größe und das Gewicht nicht zugelassenen oder passenden Kindersitz sitzen oder dieser falsch eingebaut oder falsch eingestellt ist. Kinder sind außerdem nicht korrekt gesichert, wenn der oder die Gurte am Kind oder am Kindersitz verdreht oder zu locker sind. All diese Punkte werden in Fachkreisen unter dem Begriff Misuse = Fehlbedienung zusammengefasst. Misuse kann bei einem Verkehrsunfall zu sehr schweren oder tödlichen Verletzungen führen, die bei korrekter Verwendung des Kindersitzes hätten vermieden werden können.
Die spanische Verkehrsbehörde DGT (Dirección General de Tráfico) betont aufgrund der Ergebnisse der Kampagne, wie wichtig Sicherheitsgurte und die (korrekte) Verwendung sicherer Kindersitze sind:
- Sicherheitsgurte senken das Risiko, bei einem Unfall getötet zu werden, um 50 %. Sie schützen die Fahrzeug-Insassen davor, bei einem Unfall an der Windschutzscheibe anzuschlagen oder aus dem Auto geschleudert zu werden. Zudem ist die Wahrscheinlichkeit schwerer oder tödlicher Verletzungen im Stadtverkehr bei der Nutzung des Sicherheitsgurtes fünfmal (!) geringer als ohne den Sicherheitsgurt.
- Kindersitze können ein Kind nur schützen, wenn sie sicher sind und richtig verwendet werden. Hier weist die DGT darauf hin, dass 9 von 10 schweren oder tödlichen Verletzungen bei Kindern durch die Verwendung vorgeschriebener Kindersitze hätten vermieden werden können. Zudem reduziert die korrekte Nutzung von Kindersitzen die Verletzungsgefahr um bis zu 75 %.
Ich erlaube mir an der Stelle außerdem den Verweis auf die schwedische Studie von Folksam aus dem Jahr 2025, die zu dem Schluss kommt, dass 48 % der Kinder zwischen 0 und 3 Jahren, die bei Autounfällen in den Jahren 1992 bis 2024 getötet wurden, in einem rückwärtsgerichteten Kindersitz möglicherweise überlebt hätten.
Zahlreiche gute Gründe, um den Sicherheitsgurt anzulegen und beim Kindersitz nicht nur bei der Auswahl darauf zu achten, ein sicheres und passendes Modell zu kaufen, sondern dieses auch korrekt zu bedienen.
Dies betrifft nicht nur beispielsweise den korrekten Einbau, sondern auch die Einstellungen des Kindersitzes oder die richtige (dünne und passende) Kleidung im Kindersitz.
Vielleicht hast du dich gefragt, ob wir unsere Kinder in Deutschland besser sichern? Ich fürchte nicht. In der Studie zur Fehlbedienung von Kindersitzen kam die Unfallforschung der Versicherer (UDV) im Jahr 2018 zu dem Schluss, dass sich die Sicherheit von Kindern im Straßenverkehr in den letzten Jahrzehnten durchaus leicht verbessert hat, jedoch immer noch fast jedes zweite Kind nicht richtig gesichert ist – meistens übrigens schlicht, weil die Eltern es nicht besser wussten. Umso wichtiger, dass du dich gut informierst, um Fehler zu vermeiden.
So kannst du die Sicherheit deines Kindes im Auto verbessern:
- Wähle einen sicheren zum Beispiel vom ADAC oder VTI getesteten Autokindersitz
- Kaufe deinen Kindersitz am besten neu und im Fachgeschäft und lasse dir im Rahmen der Kindersitzberatung den Einbau und die Einstellungen zeigen
- Achte darauf, den Kindersitz richtig einzubauen und zu bedienen und lies die Anleitung sorgfältig
- Prüfe die Einstellungen des Kindersitzes regelmäßig
- Achte auf die Größen- und/oder Gewichtsbegrenzungen des Kindersitzes
- Verwende auch im Winter dünne, passende Kleidung für dein Kind im Kindersitz
- Nutze einen Kindersitz nach einem Unfall niemals weiter
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Hallo, ich bin Kerstin - ich liebe Kaffee, Kuchen und (sichere) Kindersitze. Seit über 15 Jahren beschäftige ich mich mit Kindersitzen, der Sicherheit von Kindern im Auto und im Flugzeug und mit meinen mittlerweile 7 Kindern. In der Zeit habe ich leider sehr viele schlecht gesicherte Kinder in Autos gesehen - von nicht angeschnallten Kindern über falsch eingebaute Kindersitze bis hin zu Babyschalen auf dem Beifahrersitz bei aktiviertem Airbag. Mir ist wichtig, Fallstricke aufzuzeigen und Eltern für solche Probleme zu sensibilisieren.