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ADAC Kindersitztest 2026 (Mai) - Ergebnisse und Erklärungen
- Artikel von: Kerstin
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Selten haben die Testinstitute so viele Kindersitze getestet wie im aktuellen Kindersitztest 2026: Der ADAC, der ÖAMTC, der TCS und Stiftung Warentest haben in den letzten Monaten 26 verschiedene Produkte genauer unter die Lupe genommen und am 26. Mai ihre Ergebnisse veröffentlicht – und bei all diesen Sitzen sind noch nicht einmal die gefährlichen „Doppelgänger“-Kindersitze eingerechnet, vor denen die Institute bereits vor einigen Wochen gewarnt hatten.
Auffällig für mich: Unter den geprüften Modellen finden sich zahlreiche eher unbekannte(re) Produkte, allen voran die Testsieger-Babyschale Disk Infant von Foppapedretti. Nicht nur sind oder waren mir Modell und Marke bisher gänzlich unbekannt, ich habe bei einer kurzen Recherche auch kein Geschäft und keinen Onlineshop in Deutschland finden können, bei dem du diese Schale kaufen oder bestellen könntest. Das wiederum, also einen Kindersitz blind und ohne Beratung zu kaufen, solltest du ohnehin nicht tun, denn nicht immer ist der beste Kindersitz im ADAC-Test automatisch auch der beste Autositz für dein Kind. Warum das so ist, kannst du zum Beispiel hier nachlesen: ➞ Der Testsieger-Mythos: Warum der Testsieger nicht der beste Sitz für dein Kind sein muss.
Wie immer lohnt sich auch beim Kindersitztest 2026 ein Blick in die Detailnoten der Sitze in den Teilbereichen Sicherheit, Ergonomie und Bedienung. Diese findest du in Notengraden beim ÖAMTC oder in schriftlicher Form beim ADAC. Alternativ liest du einfach hier weiter, denn ich habe mir für dich alle Notenwerte aus dem Test genauer angesehen und analysiert.
Aufgrund der Vielzahl der getesteten Produkte werde ich mich auf einige wichtige Kindersitze und Hinweise der Testinstitute zu den Ergebnissen des Tests beschränken, die restlichen Notenwerte der Sitze findest du, wie bei jedem Test, auf den Websites der Testinstitute und am Ende meines Blogartikels als 🠗 PDF-Download (Testergebnisse Kindersitztest 2026).
ADAC-Kindersitztest 2026 – die wichtigsten Inhalte
Wenig Zeit? Die Ergebnisse des ADAC-Kindersitztests in aller Kürze:
- Zahlreiche Kindersitze haben den Kindersitztest 2026 nicht bestanden, der ADAC und Stiftung Warentest warnten bereits im April in einer Vorab-Meldung: ➞ ADAC-Warnung vor Doppelgänger-Kindersitzen + ➞ ADAC-Warnung zur Babyschale Mink Pro 2 von Kinderkraft.
- Diese Kindersitze wurden Testsieger ihrer Gruppe: Die Babyschale Foppapedretti Disk Infant (mit Isofix-Base eingebaut, Gesamtnote: 1,9) sowie die Kindersitze Cybex Sirona Ti, Cybex Pallas G3 und der Folgesitz Kinderkraft Junior Fix (alle jeweils Gesamtnote 2,5). Das bedeutet nicht automatisch, dass diese Sitze die besten Kindersitze für dein Kind sind. Warum das so ist und noch viele weitere Hintergrundinformationen zum Kindersitztest 2026 erfährst du in meinem Artikel.
- Spezialthema 🠗 „Liegeposition bei Babyschale und Kindersitz“: Der ADAC weist im Zusammenhang mit den aktuellen Testergebnissen noch einmal explizit darauf hin, Kinder im Auto möglichst aufrecht zu transportieren, da die Verletzungsgefahr bei einem Unfall im Liegen (deutlich) höher ist als bei einer aufrechte(re)n Sitzposition.
- Spezialthema „Gruppenübergreifende Kindersitze“: Der ÖAMTC macht einmal mehr darauf aufmerksam, dass sogenannte Generationen-Kindersitze, die viele oder alle Kindersitzgruppen abdecken, immer ein Kompromiss sind. Über viele Jahre mitwachsende Autositze haben Nachteile in der Sicherheit und können Probleme bei der Ergonomie bereiten.
Inhaltsverzeichnis zum ADAC-Kindersitztest 2026 (Mai)
Übersicht: Diese Autositze wurden beim ADAC-Kindersitztest 2026 getestet
Die folgenden Kindersitze haben die Institute im Kindersitztest 2026/1 genauer unter die Lupe genommen:
- Bugaboo Otter by Nuna
- Foppapedretti Disk Infant i-Size
- Jané Concord Kombibaby
- Kinderkraft Mink Pro 2
- nuna arra flex plus base next
- Silver Cross Glide Plus 360
- Avionaut Stardust
- Chicco Fullseat 360 i-Size mit Full 360 Base
- Cybex Pallas G3
- Joie i-Irvana
- Lionelo Lavender i-Size
- Maxi-Cosi Emerald 360 Pro
- Axkid Minikid 4 Pro
- Britax Römer Dualfix 5 Z mit Vario Base 5 Z
- Cybex Sirona Ti
- Jané Concord Kombikid und Kombibase
- Peg Perego Viaggio Giro mit Base Giro
- Silver Cross Approach Plus 360 mit Base Plus 360
- Kinderkraft Junior Fix 2 i-Size
- Maxi-Cosi Topaz i-Size
- Thule Palm
Analyse der Testergebnisse aus dem ADAC-Kindersitztest 2026 (Mai)
Testergebnisse der Babyschalen
Beginnen wir mit den Kindersitzen für die Allerkleinsten. Für den aktuellen Test haben die Institute die Bugaboo Otter by nuna, die Foppapedretti Disk Infant, die Schale Jané Concord Kombibaby, die Kinderkraft Mink Pro 2, die nuna arra flex und die Babyschale Silver Cross Glide Plus 360 ausgewählt. Die Schale von Silver Cross ist – bis auf den Bezug – baugleich mit der Schale von Jané.
Alle getesteten Schalen sind für Kinder mit einer Größe von 40 bis 87 cm zugelassen. Sie können entweder mit dem Fahrzeuggurt in dein Auto eingebaut werden (➞ Fallstricke beim Einbau von Babyschalen) oder du klickst sie auf die jeweils zugehörige Isofix-Basisstation.
Daneben eint die Schalen von Bugaboo, Jané, nuna und Silver Cross noch eine weitere Gemeinsamkeit: Sie können in eine Liegeposition gestellt werden. Das wiederum zeigt sich allerdings auch in den Teilbereich-Noten der Schalen im Frontalcrash-Geschehen sowie in ihrem Gesamtergebnis beim Test.
Die Einzelwerte aus dem Frontalaufpralltest habe ich in meiner Tabelle einmal gegenübergestellt, sodass du auf einen Blick sehen kannst, dass die Babyschalen, die (auch) liegend eingebaut werden können, schlechter abschneiden als der Testsieger von Foppapedretti, der nicht in der Neigung verstellt werden kann.
Tabelle: Einzelnoten der Babyschalen im Kindersitztest
Nachteile von Liegepositionen bei Babyschalen und Kindersitzen
Wie bereits beim letzten Kindersitztest weist der ADAC aus diesem Grund auch im Zusammenhang mit den aktuellen Testergebnissen auf einen ganz wesentlichen Punkt hin: Das höhere Verletzungsrisiko für dein Kind, wenn du die Liegeposition der Babyschale verwendest. Oder um es in den Worten des ADAC bei den Testergebnissen der Schalen von Bugaboo, Jané, nuna und Silver Cross auszudrücken: „Um den Komfort fürs Baby zu verbessern, verfügt die Schale über eine Winkelverstellung. In der steileren Einstellung bietet die Schale einen besseren Schutz beim Unfall.“
Flache Liegepositionen bei Babyschalen sind grundsätzlich positiv für die Ergonomie der Allerkleinsten, sie haben insbesondere in den Frontalcrash-Tests und im realen Unfallgeschehen jedoch oft Nachteile. Die Belastungswerte auf den Nacken sind in liegenden Positionen größtenteils deutlich höher als in einer aufrechte(re)n Sitzposition – das gilt im Übrigen nicht nur für Babys, sondern auch für größere Kinder und uns Erwachsene. Bei Babys in rückwärtsgerichteten Kindersitzen besteht zusätzlich die Gefahr, dass der Kopf des Kindes am Vordersitz anschlägt. Aus diesem Grund gilt: Baue deine Babyschale grundsätzlich so liegend wie nötig (Baby ist noch jung) und so aufrecht wie möglich ein.
Mehr zu diesem Thema kannst du gerne in meinem Babyschalen-Ratgeber nachlesen: ➞ Die Liegeposition in der Babyschale ist immer ein Kompromiss.
Je flacher die Babyschale, umso schlechter unterstützt sie das Kind bei einem Unfall. Und umso höher sind die Belastungen, die wir beim Dummy messen. Das zusätzliche Gelenk (Anm. d. Red: für die Neigungsverstellung) schwächt die Schale, unter Belastung wird sie noch flacher, die Belastungen steigen weiter an. Außerdem rutscht der Kopf des Kindes über den Schalenrand, kann an den Vordersitz prallen - und das birgt ein zusätzliches Verletzungsrisiko."
Andreas Ratzek, Testleiter des ADAC-Kindersitztests
Insgesamt schneiden alle Babyschalen – mit Ausnahme der ➞ Kinderkraft Mink Pro 2, die sich beim Einbau mit der Isofix-Basisstation beim Frontalcrash von der Base gelöst hat und deshalb durchgefallen ist – mit guten oder befriedigenden Gesamtnoten ab.
Auch gut zu wissen: Die Babyschalen von Jané Concord und Silver Cross brachen, eingebaut mit der Base, beim Frontalcrash auseinander (!) und bekamen auch aus diesem Grund eine nur ausreichende Note in diesem Teilbereich. „Die Babyschale ging zu Bruch, der Kopf ragte über sie hinaus. Da der Sitz aber noch festhing und das Baby nicht durchs Auto flog, reicht es noch für das Qualitätsurteil Befriedigend“, kommentiert Reiner Metzger von Stiftung Warentest diesen Umstand im Heft 6/2026 und ich frage mich einmal mehr, warum so ein Ereignis in einem Sicherheitstest keinen größeren Einfluss auf die Gesamtnote eines Kindersitzes hat und in den Details beinahe untergeht.
Ein insgesamt jedenfalls ziemlich durchwachsenes Ergebnis und vielleicht auch ein Hinweis an die Kindersitzhersteller, ihre Babyschalen künftig nicht mehr ganz so flach zu gestalten.
Nicht so richtig zufrieden zeigen sich die Tester leider auch mit den Ergebnissen der gruppenübergreifenden Kindersitze im Test, die ich dir als nächstes zeigen möchte.
Testergebnisse der gruppenübergreifenden Kindersitze
In den letzten Jahren beobachten wir im Kindersitzbereich einige zweifelhafte Trends – neben Babyschalen mit (zu) flachen Liegepositionen entwickeln zahlreiche Hersteller mittlerweile sogenannte gruppenübergreifende Generationen-Kindersitze oder – wie ich sie nenne – Eier legende Wollmilch-Kindersitze. Dabei handelt es sich um Autokindersitze, die von Geburt an bis zu einem Alter von 12 Jahren bzw. bis zu einer Größe von 150 cm verwendet werden können, zumindest theoretisch.
Im Kindersitztest 2025 waren gleich mehrere dieser 0/1/2/3-Kindersitze aus Sicherheitsgründen durch den Test gefallen (➞ Warnung vor lebensgefährlichen Kindersitzen), im April 2026 warnten die Testinstitute zusätzlich vor einer ganzen Reihe baugleicher und bauähnlicher Sitze verschiedener Marken.
Einmal einen Kindersitz gekauft und 12 Jahre lang Ruhe, das klingt für viele Eltern verlockend, in der Praxis sind diese Generationen-Kindersitze allerdings leider meist ein (schlechter) Kompromiss. Wenn du einen solchen Sitz kaufst, machst du Abstriche in der Sicherheit deines Kindes und meistens auch in der Ergonomie. Dies zeigen – erneut – auch die Ergebnisse im aktuellen Kindersitztest.
Mit dem Avionaut Stardust und dem Maxi-Cosi Emerald 360 Pro nahmen die Testinstitute zwei gruppenübergreifende Kindersitze für Kinder ab der Geburt bis zum Ende der Kindersitzpflicht mit 150 cm unter die Lupe. Einige weitere Modelle wie der i-Irvana von Joie, der Lionelo Lavender oder der Chicco Fullseat 360 sind ab einer Körpergröße von 61 cm (Chicco) bzw. 76 cm, also im Anschluss an die Babyschale, bis 150 cm zugelassen.
Zulassungen der Generationen-Kindersitze im ADAC-Kindersitztest 2026
Die gruppenübergreifenden Kindersitze im Test können zum Teil zunächst rückwärts, zum Teil ausschließlich vorwärts verwendet werden:
- Avionaut Stardust: Rückwärtsgerichtet mit Interngurt von 61 (bzw. 40 cm mit Inlay) bis 125 cm und max. 21 kg, vorwärtsgerichtet mit Interngurt von 76 cm (ab frühestens 15 Monaten) bis 105 cm und maximal 21 kg, vorwärtsgerichtet von 105 bis 150 cm mit Isofix, Stützfuß und Autogurt.
- Chicco Fullseat: Rückwärtsgerichtet mit Interngurt bis 105 cm, vorwärtsgerichtet mit Interngurt ab 76 cm (frühestens ab 15 Monaten) bis 105 cm, vorwärtsgerichtet mit 3-Punkt-Autogurt ab 100 bis 150 cm
- Joie i-Irvana: Vorwärtsgerichtet mit Interngurt ab 76 cm (frühestens ab 15 Monaten) bis 105 cm, ab 100 bis 150 cm mit Autogurt.
- Lionelo Lavender: Vorwärtsgerichtet mit Interngurt ab 76 cm (frühestens ab 15 Monaten) bis 105 cm, ab 100 bis 150 cm mit Autogurt.
- Maxi-Cosi Emerald 360 Pro: Rückwärtsgerichtet mit Interngurt von 40 bis 105 cm, vorwärtsgerichtet von 76 cm (frühestens ab 15 Monaten) bis 105 cm, vorwärtsgerichtet mit Autogurt von 100 bis 150 cm.
Generationen-Kindersitze im Vergleich
Für die Übersicht und einen direkten Vergleich habe ich die Noten dieser Kindersitze wieder in einer Tabelle zusammengetragen. Deutlich zu sehen ist, dass keiner der getesteten Generationen-Kindersitze ein gutes oder sehr gutes Ergebnis im Kindersitztest erreicht. Auch und besonders im Teilbereich Sicherheit bewegen sich die Noten der Kindersitze im befriedigenden bzw. beim Lionelo-Kindersitz sogar im ausreichenden Bereich.
Dies ist besonders schade beim Avionaut Stardust, der – obwohl bis 125 cm rückwärts verwendbar – in den Sicherheitstests nur durchschnittliche Ergebnisse erreichen kann, was der ÖAMTC wie folgt zum Ausdruck bringt: „Die Idee, einen großen Bereich mit einem Sitz abzudecken ist zwar gut, die Umsetzung erfordert jedoch Kompromisse und Einschränkungen, die am Ende zu durchschnittlichen Sicherheits- und Bedienungsnoten führen.“
Tabelle: Einzelnoten der Generationen-Kindersitze
Neben dem Sicherheitsaspekt weist der ÖAMTC auf eine weitere Kehrseite gruppenübergreifender Kindersitze hin: Nachteile in der Ergonomie. Konkret bedeutet das, dass ein Kindersitz, der ein so großes Altersspektrum abdecken muss, nicht in jeder Lebensphase des Kindes gut passt bzw. passen kann.
Für kleinere bzw. jüngere Kinder sind Sitze wie beispielsweise der Joie i-Irvana oft zu steil (und Rückwärtsfahren ohnehin deutlich sicherer) oder Kopfstütze und Gurtsystem sind noch zu hoch, für ältere Kinder bis 12 Jahre sind die Rückenlehnen von Generationen-Kindersitzen oft nicht lang genug konzipiert oder die Kinder stoßen aufgrund des hohen Unterbaus des Kindersitzes irgendwann mit dem Kopf am Autohimmel an.
Ich empfehle dir aus diesem Grund, dein Kind nicht in einem 3-in-1-Kindersitz zu transportieren, sondern zunächst in einer Babyschale oder einem Reboarder ab der Geburt und im Anschluss in einem ➞ Folgesitz, der gut zu deinem Kind und in dein Auto passt. Solche Gruppe 2/3-Kindersitze bzw. Autositze für Kinder ab 100 bis 150 cm sind sicherer und in aller Regel auch deutlich leichter als Generationen-Kindersitze. Das hat den Vorteil, dass du oder dein Kind die Sitzerhöhung mit Rückenlehne schnell in ein anderes Auto, zum Beispiel bei Freunden, einbauen und den Sitz einfach transportieren (oder auch verstauen) kannst.
Ab Minute 1:10 im Video kannst du dir noch einmal ansehen und anhören, warum auch der ÖAMTC von Generationen-Kindersitzen eher abrät.
Video des ÖAMTC zum Kindersitztest 2026 und zu gruppenübergreifenden Kindersitzen
"Ich verstehe grundsätzlich eigentlich nicht, warum die Hersteller Generationensitze bauen. [...] Einige der Sitze schaffen ein Befriedigend, meistens nicht mehr, weil sie einfach ergonomische Probleme kriegen. Es ist für die Babys nicht optimal, trotz Baby-Einleger sind diese Sitze oft viel zu aufrecht. Wenn die Babys einschlafen, fällt ihnen der Kopf auf die Brust, was nicht besonders gesund ist und [...] die großen Kinder können auch nicht mehr gut darin sitzen. Da ist dann zwar der Einleger weg, aber die Sitzschale ist vergleichsweise hoch, wenn man es mit anderen Sitzerhöhern vergleicht. [...] Die Kinder stehen dann oft mit dem Kopf am Fahrzeughimmel des Autos an. Das heißt, ich nutze den Sitz dann gar nicht so lange wie ich andere Sitze nutzen könnte."
Steffan Kerbl, Test-Ingenieur beim ÖAMTC
Testergebnisse der Reboarder und Kleinkind-Kindersitze
Wusstest du, dass die Testinstitute alle 4-5 Jahre ihre Methodik auf den aktuellen Stand der Technik anpassen? Die ADAC-Crashtests (Seitenaufpralltest und Frontalaufpralltest) orientieren sich an den hohen Anforderungen des Euro NCAP-Standards und prüfen viel genauer als der gesetzliche Zulassungstest, ob ein Kindersitz auch wirklich sicher ist. Wenn dich dieses Thema interessiert, findest du hier noch viele weitere Informationen dazu, wie und wo Kindersitze getestet werden:
Zuletzt wurden die Anforderungen an einen Kindersitz im Jahr 2025 noch einmal nach oben angepasst. Die Institute achten beispielsweise viel mehr als früher darauf, ob oder wie ein Kindersitz falsch bedient werden kann (Misuse erhöht die Verletzungsgefahr für dein Kind) und auch die Crashtests wurden noch einmal verschärft und beispielsweise der Bremsweg verkürzt. So stellt der ADAC sicher, dass Kindersitze wirklich sicher sind – und so erklärt sich auch, dass wir in den letzten Crashtests weniger sehr gute Ergebnisse bei Kindersitztests gesehen haben als in den Vorjahren.
Nicht ausschließlich aus diesem Grund, aber auch aufgrund der höheren Anforderungen in den Crashtests sehen wir in diesem Kindersitztest auch bei den Kleinkind-Sitzen und Reboardern viele befriedigende Ergebnisse im Teilbereich Sicherheit und im Endergebnis.
Reboarder und Kleinkind-Kindersitze im ADAC-Kindersitztest 2026
- Axkid Minikid 4 Pro:
Rein rückwärtsgerichteter Kindersitz mit Gurtbefestigung für Kinder ab 61 bis 125 cm. - Britax Römer Dualfix 5 Z mit Vario Base 5 Z:
Rückwärtsgerichteter Isofix-Kindersitz für Kinder von 61 bis 105 cm, auch vorwärts zugelassen für Kinder ab 76 cm und einem Alter von mindestens 15 Monaten. - Cybex Sirona Ti:
Rückwärtsgerichteter Isofix-Kindersitz für Kinder von 40 bis 105 cm, auch vorwärts zugelassen für Kinder ab 76 cm und einem Alter von mindestens 15 Monaten. - Jané Concord Kombikid und Kombibase:
Rückwärtsgerichteter Isofix-Kindersitz für Kinder von 40 bis 105 cm, auch vorwärts zugelassen für Kinder ab 76 cm und einem Alter von mindestens 15 Monaten. - Peg Perego Viaggio Giro mit Base Giro:
Rückwärtsgerichteter Isofix-Kindersitz für Kinder von 61 bis 105 cm, auch vorwärts zugelassen für Kinder ab 76 cm und einem Alter von mindestens 15 Monaten. - Silver Cross Approach Plus 360 mit Base Plus 360:
Rückwärtsgerichteter Isofix-Kindersitz für Kinder von 40 bis 105 cm, auch vorwärts zugelassen für Kinder ab 76 cm und einem Alter von mindestens 15 Monaten.
Vorweg zeige ich dir meine Vergleichstabelle mit den Teilbereichsnoten der getesteten Kleinkind-Kindersitze und Reboarder, im Anschluss findest du noch eine Einordnung der Testwerte.
Tabelle: Einzelnoten der Kleinkindsitze und Reboarder
Einordnung der Testwerte der Kleinkind-Sitze und Reboarder
Cybex Sirona Ti: Ergebnisse im ADAC-Kindersitztest
Erfreuliche Werte, insbesondere im Bereich der Sicherheit (Frontalcrash, Note: 2,9 Seitencrash, Note: 1,3) erreicht der Cybex Sirona Ti, der Testsieger in der Gruppe der Kleinkind-Kindersitze wurde.
Es handelt sich bei diesem Kindersitz um ein Modell mit integrierter Basisstation, also kein Modulsystem wie beim Sirona T, bei dem du die Basisstation und den Kindersitz trennen kannst und die Base auch für deine Babyschale verwenden könntest. Der Sirona Ti ist „aus einem Guss“ und dementsprechend mit 13,5 kg Gesamtgewicht recht schwer. Wenn du diesen Kindersitz nur ein einziges Mal oder sehr selten in dein Fahrzeug einbaust und nicht ständig umbauen musst, ist dies allerdings kein Nachteil.
Wichtig zu wissen: Der Sirona Ti ist entgegen der Fahrtrichtung eingebaut deutlich sicherer als vorwärtsgerichtet. Ich empfehle dir deshalb – neben einem Probesitzen für dein Kind und einem Probe-Einbau in dein Auto – diesen Sitz bis zum Ende seiner Nutzungszeit ausschließlich rückwärts zu verwenden.
Warum schneidet der Cybex Sirona Ti in den Bedientests nur befriedigend ab?
Die Note eines Kindersitzes im Teilbereich Bedienung setzt sich aus folgenden Einzelwerten zusammen:
- Fehlbedienungsgefahr (40 %)
- Abschnallen des Kindes (20 %)
- Einbau des Kindersitzes (20 %)
- Umbau des Kindersitzes und Größenanpassung (10 %)
- Bedienungsanleitung (8%)
- Reinigung und Verarbeitung (2 %)
Die Testinstitute loben den einfachen Einbau des Cybex Sirona Ti und die leicht verständliche Anleitung. Das Anschnallen des Kindes im Sitz empfinden die (Laien)-Tester als etwas aufwändiger. Da die Gefahr besteht, dass Eltern diesen Kindersitz zu früh in Fahrtrichtung drehen und so ein hohes Verletzungsrisiko riskieren, attestieren die Testinstitute eine erhöhte Gefahr der Fehlbedienung (Note 3,1). Insgesamt erhält der Sirona Ti die Note 2,9 im Teilbereich Bedienung.
Jané Kombikid, Peg Perego Viaggio Giro, Silver Cross Approach Plus 360, Britax Römer Dualfix 5 Z im Test
- Beim Kombikid von Jané Concord stellen die Prüfinstitute Schadstoffe fest, das Labor findet eine hohe Menge des Flammschutzmittels TDCP (Note 4 im Schadstoff-Test), was zur Abwertung dieses Kindersitzes führt. Stiftung Warentest weist darauf hin, dass die Werte unterhalb des Grenzwertes von Öko Tex 100 liegen. In den Sicherheitstests beim ADAC schneidet der Kindersitz nur durchschnittlich (Note 3,1) ab.
- Auch der Peg Perego Viaggio Giro auf der Base Giro, der Silver Cross Approach Plus 360 auf der Base Plus 360 und der Britax Römer Dualfix 5 Z auf der Vario Base 5 Z kommen über durchschnittliche Ergebnisse im Bereich Sicherheit nicht hinaus (Note 3,3 beim Sitz von Peg Perego, Note 3,1 bei Silver Cross, Note 3,5 für den Dualfix).
Die nur durchschnittlichen bzw. befriedigenden oder ausreichenden Bewertungen von Kleinkind-Sitzen in den Frontalaufpralltests sind fast immer auf die Performance dieser Kindersitze beim Einbau in Fahrtrichtung zurückzuführen. Dabei wirken auf den Dummy bzw. das Kind hohe Belastungen, insbesondere auf das empfindliche Genick eines Kindes.
Axkid Minikid 4 Pro: Ergebnisse im ADAC-Kindersitztest
Wenn Kleinkind-Kindersitze, die in Fahrtrichtung eingebaut werden, in Kindersitztests schlechter abschneiden als Reboardkindersitze, sollte ein reiner Reboarder wie der Axkid Minikid 4 Pro ein deutlich besseres Ergebnis erreichen, nicht wahr?
Zum Testergebnis dieses rückwärtsgerichteten Kindersitzes für Kinder mit einer Größe von 61 bis 125 cm erreichten mich in den letzten Tagen einige verwunderte Anfragen und ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich selbst nicht auch überrascht gewesen wäre. Deswegen und weil der nahezu baugleiche Vorgänger-Sitz Minikid 3 im Kindersitztest 2022 – insbesondere im Teilbereich Sicherheit – sehr viel besser abgeschnitten hatte, bin ich den Noten des Minikid 4 Pro einmal näher auf den Grund gegangen und habe sowohl mit Axkid als auch mit dem ADAC selbst zum Ergebnis gesprochen. Und ich nehme vorweg: Du kannst diesen Kindersitz guten Gewissens weiterverwenden.
Rückfragen hatten meine Leserinnen und Leser beim Minikid 4 Pro insbesondere zu den Noten in den Bereichen Sicherheit (Teilbereich gesamt: 2,8 / Frontalcrash: 3,2 / Seitencrash: 1,9) und Bedienung (Note 3,8).
Warum schneidet der Axkid Minikid 4 Pro in den Bedientests nicht besser ab?
Dass Reboarder mit Gurtbefestigung und Spanngurten zum Fußraum hin in den Bedientests beim ÖAMTC bzw. TCS häufig schlecht(er) ausfallen, ist nicht ungewöhnlich und unter anderem der erhöhten Fehlbedienungsgefahr geschuldet.
Der Axkid Minikid 4 Pro erhält im Teilbereich Fehlbedienung (zählt zu 40 % in die Note im Bereich Bedienung ein) die Note 4,0 und im Teilbereich Sitzeinbau (zählt zu 20 %) die Note 3,6. Durch zahlreiche sogenannte Misuse-Studien ist bekannt, dass viele Eltern ihre Kindersitze nicht richtig einbauen oder ihr Kind falsch oder zu locker anschnallen. Besonders häufig passieren Fehler bei der Befestigung von Kindersitzen mit dem Fahrzeuggurt: Der Gurt wird falsch geführt, verdreht oder viel zu locker durch den Sitz oder am Kindersitz entlanggeführt. Diese vermeintlich kleinen Fehler können bei einem Unfall schwerwiegende Folgen für das Kind im Sitz haben, je nach Fehler und Ausmaß drohen durch Fehlbedienungen schwere oder tödliche Verletzungen.
Der Minikid 4 Pro wird mit dem Fahrzeuggurt befestigt und er hat an der Rückseite zusätzliche Gurte, die in den Fußraum führen und fest gespannt werden müssen. Diese sogenannten Spanngurte halten den Sitz beim ➞ Rebound, also der Rückwärtsbewegung, die der Kindersitz macht, nachdem er bei einem Frontalaufprall zunächst in Fahrtrichtung beschleunigt wurde. Die Spanngurte – oder alternativ ein Überrollbügel am Kindersitz – verhindern, dass dein Kind im rückwärtsgerichteten Sitz oder der Babyschale gegen die Rückbank geschleudert wird. Sind diese nicht fest gespannt oder du führst den Fahrzeuggurt falsch, zu locker oder gar verdreht durch deinen Kindersitz hindurch, steigt das Verletzungsrisiko bei deinem Kind. Das Gleiche gilt, wenn du den Stützfuß eines Kindersitzes nicht (richtig) aufstellst oder in die falsche Richtung kippst.
Aufgrund der Studienlage und der Erkenntnisse aus dem realen Unfallgeschehen haben die Testinstitute den Fokus auf solche Fehlbedienungsszenarien in den letzten Jahren erhöht und werten Kindersitze, die schwierig(er) einzubauen sind, deshalb ab. Wie kompliziert ein Sitz einzubauen ist, wird übrigens nicht nur von den Prüferinnen und Prüfern im Test und theoretisch untersucht, sondern auch von Laien, die alle Kindersitze aus dem Test – ohne und mit Anleitung – einbauen dürfen (oder müssen) und die sich beim Einbau des Axkid Minikid etwas schwerer getan haben als bei vielen anderen Kindersitzen.
Mein Rat: Der Einbau des Axkid Minikid 4 Pro ist kein Hexenwerk, wenn du ihn dir im Fachgeschäft zeigen lässt und / oder die Anleitung genau beachtest. Prüfe grundsätzlich, ob die Gurte am Sitz und am Kind richtig verlaufen, nicht verdreht sind und straff gespannt. Bei Fragen zum korrekten Anschnallen deines Kindes findest du zahlreiche Tipps in meinem ➞ Anschnall-Ratgeber.
Ist der Axkid Minikid 4 Pro wirklich sicher?
In den Sicherheitstests des ADAC erreicht der Axkid Minikid 4 Pro die Note 1,9 (GUT) im Seitencrashtest. Den Schutz beim Frontalaufprall bewertet der ADAC mit der Note 3,2. Das heißt: Bei einem Seitenaufprall kann der Minikid dein Kind gut schützen. Tatsächlich kann er das allerdings auch beim gefährlichen Frontalcrash. Für die Erklärung hole ich etwas aus.
So führt der ADAC Frontalaufprall-Tests durch:
Reboarder werden beim ADAC im Frontalcrashtest immer nur mit dem größtmöglichen Dummy getestet, der für den jeweiligen Kindersitz zugelassen ist, da mit dem größten und schwersten Dummy die höchsten Belastungen und somit auch das schlechteste Ergebnis zu erwarten sind. Für den Minikid 4 Pro ist das der Q 6-Dummy (114,3 cm groß, 22,9 kg schwer). Der ADAC misst die Belastungswerte am Dummy außerdem – wenn der Sitz verschiedene Neigungspositionen hat – in zwei Crashversuchen, einmal in der aufrechten und ein weiteres Mal in der liegenden Position.
Gemessen werden beispielsweise die Belastungen, die auf das Genick des Dummys wirken, aber auch andere Werte wie die Kopf- und Brustbeschleunigung oder die Strecke, die sich der Kopf nach vorne verlagert. Hohe Belastungen auf das Genick können bei einem Unfall zu einem Genickbruch führen, hohe Beschleunigungswerte am Kopf beispielsweise zu Schäden am Gehirn, Beschleunigungswerte an der Brust zu Verletzungen am Brustkorb oder an inneren Organen. Zur Berechnung der Note im Frontalcrashtest übernimmt der ADAC den jeweils schlechtesten Notenwert der einzelnen Werte und berechnet daraus die Gesamtnote.
Weshalb schneidet der Minikid 4 Pro im Frontalcrash nur befriedigend ab?
Der Minikid 4 Pro wurde vom ADAC zweimal frontal gecrasht, einmal aufrecht, ein weiteres Mal liegend. Der Kindersitz wurde dabei mit etwa einer Hand Abstand zur Rückenlehne, also mit Beinfreiheit, eingebaut.
Nackenbelastungswerte: Bei beiden Crashversuchen wirken jeweils nur niedrige Belastungen auf das empfindliche Genick des Dummy. Der Nacken deines Kindes wird beim Frontalaufprall vom Minikid 4 Pro sehr gut geschützt. An dieser Stelle bestätigt der ADAC das Ergebnis des ➞ schwedischen Plustests. Dieses Siegel trägt der Minikid 4 Pro, weil er bereits beim anspruchsvollen Crashtest beim VTI bewiesen hat, dass er das kindliche Genick bei einem Unfall vor schweren Verletzungen bewahren kann.
Belastungswerte an der Brust: Die auf den ersten Blick enttäuschende Note des Minikid 4 Pro im Frontalcrash beruht auf dem Crashtest-Versuch mit dem Q 6-Dummy beim liegenden Einbau. Wie ich bereits am Anfang meines Blogartikels bezüglich der Babyschalen-Testwerte (🠕 Liegepositionen bei Babyschalen) ausgeführt habe, wirken bei Kindersitzen, die liegend oder ruhend eingebaut werden, grundsätzlich höhere Kräfte auf den Dummy bzw. das Kind. Und je schwerer und größer das Kind ist, desto höher sind die Belastungen in der liegenden Position. Expertinnen und Experten raten deshalb dazu, Babyschalen und Kindersitze immer so liegend wie nötig, aber auch so aufrecht wie möglich einzubauen, um das Verletzungsrisiko deines Kindes so gering wie möglich zu halten. Das gilt auch für den Minikid und ein 6-jähriges Kind, das – seien wir ehrlich – eine liegende oder ruhende Position im Kindersitz in den allermeisten Fällen auch wirklich nicht mehr benötigt.
Ich verstehe, dass die Sicherheitsnote einige Eltern irritiert, Grund zur Sorge oder gar Anlass für einen Rückruf besteht im Falle des Minikid 4 Pro aber nicht. Wenn du den Kindersitz korrekt einbaust, Fahrzeuggurt und Spanngurte ordentlich straffst und dein Kind fest anschnallst, ist dein Nachwuchs in diesem Kindersitz gut aufgehoben.
Veränderte Testmethodik beim ADAC
Nicht vergessen sollten wir bei der Beurteilung der Noten oder dem Vergleich alter Testergebnisse mit den aktuellen Noten außerdem, dass der ADAC Kindersitze seit 2025 noch härter crasht als je zuvor. Die Unterschiede in der Bewertung des Minikid 3 (getestet nach alter Methodik) und des Minikid 4 liegen auch am noch anspruchsvolleren Test-Verfahren und dem deutlich kürzeren Bremsweg.
Insgesamt handelt es sich beim Axkid Minikid 4 Pro deshalb trotz dieser ADAC-Noten um einen guten Kindersitz, in dem dein Kind jederzeit sicher unterwegs ist.
Wie konnte der Axkid Minikid 4 Pro den Plustest bestehen?
Einige Eltern äußerten auf Facebook oder instagram Kritik am ADAC oder schrieben, dass sie dem VTI, der den Plustest durchführt, nicht mehr vertrauen können.
Ein bestandener Plustest und eine befriedigende Note im ADAC-Frontalcrashtest schließen sich allerdings nicht aus. Der VTI misst rein die Nackenbelastungswerte, die auf ein Kind bei einem Frontalcrashtest wirken und deckelt diese bei 1.460 N (Q 3-Dummy) bzw. 1.880 N (Q 6-Dummy). Der ADAC hingegen arbeitet mit Notenabstufungen und nimmt viele weitere Werte am Dummy ab. Zusätzlich prüft er alle Kindersitze auch im Seitencrash-Szenario.
Wie ich im FAQ-Abschnitt über diesem hier schrieb waren die Nackenbelastungswerte für den Dummy im Minikid 4 Pro in allen ADAC-Crashtests niedrig. Du darfst dem VTI-Plustest-Siegel deshalb auch weiterhin dein Vertrauen schenken.
Du möchtest das alles noch viel genauer wissen? Warum?! 🤪 Schreib mir gerne eine E-Mail oder wende dich an Axkid, deine Fachhändlerin oder deinen Fachhändler. Wir helfen dir gerne weiter.
Bei den Kindersitzen für große Kinder gab es dieses Mal zum Glück nur wenige Überraschungen – falls du bis hierher gelesen hast, wirst du den Rest deshalb gewiss auch noch überstehen.
Testergebnisse der Kindersitze für Kinder ab 100 bis 150 cm
Auch Kindersitze für große Kinder ab 100 cm haben die Institute unter die Lupe genommen, im Kindersitztest 2026 wurden folgende Sitze der Gruppe 2/3 getestet:
- Kinderkraft Junior Fix 2
- Maxi-Cosi Topaz
- Thule Palm
Diese drei Folgesitze sind für Kinder von 100 bis 150 cm zugelassen, es handelt sich um sogenannte Sitzerhöhungen mit Rückenlehne. Expertinnen und Experten empfehlen, auf diese Kindersitz-Kategorie möglichst spät – im besten Fall frühestens im Alter von 4 Jahren – zu wechseln, da Kindersitze mit internem Gurtsystem deutlich sicherer sind und auch bequemer für dein Kind. Warum das so ist und was du beim Wechsel auf einen Folgesitz beachten solltest, habe ich an dieser Stelle erklärt: ➞ Voraussetzungen für den Wechsel auf den großen Kindersitz.
Tabelle: Einzelnoten der Folgekindersitze für Kinder ab 100 bis 150 cm
Auch zu den Folgesitzen habe ich eine kleine Vergleichstabelle zusammengestellt:
Welcher Folgesitz ist wirklich sicher?
Der Kindersitz Junior Fix 2 von Kinderkraft wurde Testsieger seiner Gruppe – tatsächlich zeigen die Einzelwerte der drei getesteten Folgesitze allerdings, dass die Autositze in den Sicherheitstests frontal relativ nah beieinander liegen (Kinderkraft Junior Fix: Note 3,1 / Maxi-Cosi Topaz: Note: 3,4 / Thule Palm: Note 3,7). Im Seitencrashtest dagegen ist der Palm von Thule (Note 1,4) deutlich besser als die beiden Kindersitze von Kinderkraft (Note 2,7) und Maxi-Cosi (Note 3,3).
Letztlich schneidet der Kindersitz von Kinderkraft mit der Gesamtnote 2,5 ab, der Palm von Thule landet knapp dahinter mit der Note 2,6. Der Topaz von Maxi-Cosi erreicht die Gesamtnote 3,2 und erhält ebenso ein befriedigendes Endergebnis.
Alle drei Ergebnisse wirken auf den ersten Blick nicht überragend, tatsächlich sind sie aber gar nicht so schlecht. Bei den Crashtests beim ADAC werden Kindersitze dieser Kategorie mit Dummies getestet, deren Proportionen denen eines 3-jährigen (Q3-Dummy), eines 6-jährigen (Q6) und eines 10-jährigen Kindes (Q10) entsprechen. Für das 3-jährige Kind bzw. den Q3-Dummy werden für einen Folgesitz dabei die gleichen Referenzwerte herangezogen wie bei einem Kindersitz mit internem Gurtsystem, in dem ein Kind dieser Statur deutlich sicherer sitzen würde – insbesondere dann, wenn der Kindersitz rückwärts eingebaut wird.
Das schlechtere Teilergebnis in den Crashtests mit dem Q3-Dummy ist der Grund dafür, dass Kindersitze für große Kinder ab 100 cm in den ADAC-Kindersitztests in der Regel keine sehr gute Gesamtnote erhalten und ein sehr gutes Argument dafür, Kinder erst möglichst spät auf einen Folgesitz wechseln zu lassen.
Thule Palm: Ergebnisse im Kindersitztest 2026
Mit der Note 3,7 erreicht der Thule Palm im Frontalcrashtest im ADAC-Kindersitztest 2026 lediglich ein ausreichendes Ergebnis. Der Grund dafür ist das vergleichsweise schlechte Teilergebnis des Crash-Versuchs mit dem Q3-Dummy.
Die Kopfstütze und Rückenlehne des Thule-Kindersitzes sind auch in der niedrigsten Stufe recht hoch. Aus diesem Grund verläuft der Autogurt im Schulterbereich des Dummys nicht mittig auf der Schulter, sondern nah am Hals. Dadurch wirken beim Frontalcrash höhere Belastungen auf den kleinen Dummy. Bei einem größeren Dummy bzw. einem Kind, das beispielsweise erst mit einer Größe von 115, 120 oder mehr Zentimetern in diesen Kindersitz wechselt oder dann, wenn der Gurt in deinem Fahrzeug ideal über die Schulter deines Kindes verläuft, kann der Thule Palm deinen kleinen Passagier bei einem Unfall gut schützen.
Weitere Informationen und Tipps zum korrekten Gurtverlauf und zur Passform eines Folgekindersitzes findest du in meinem Kindersitz-Ratgeber für „große“ Kindersitze: Passform- und Gurtverlauf-Check beim Folgesitz.
Welchen Folgesitz du nun am besten kaufst? Keinen der getesteten bzw. am liebsten den, der ideal zu deinem Kind und deinem Auto passt, denn auch die Passform ist beim Folgesitz ein Sicherheitsfaktor. Ich empfehle dir eine Beratung im Fachgeschäft vor Ort – dort kannst du mit deinem Kind gemeinsam verschiedene Kindersitze in eurem Auto ausprobieren und den besten für dich, dein Kind und dein Auto kaufen.
Alternativ oder zusätzlich kannst du auch gerne meinen Folgesitz-Ratgeber lesen. In diesem erkläre ich dir genau, worauf es bei der Auswahl des Folgesitzes ankommt. Ich empfehle, vorher einen Kaffee zu kochen oder dir eine Tasse Tee bereit zu stellen, es wird ausführlich:
Main Fazit zum ADAC-Kindersitztest 2026
Der Kindersitztest 2026/1 ist der 22. Kindersitztest, den ich mir nicht mit Eltern- und Endverbraucher-Augen, sondern mit einem mittlerweile ganz gut geschulten Kindersitzbranchen-Blick angesehen und hinterfragt habe. Ich bin nicht auf alle Kindersitze genauer eingegangen, sondern hauptsächlich auf diejenigen, zu denen ich Rückfragen hatte oder Fragen von euch erhalten habe. Kurz ist es – wie immer – trotzdem nicht geworden. 😁
Wie fast immer haben mich einige Testnoten überrascht und wie jedes einzelne Mal habe ich noch etwas dazulernen und mein Wissen erweitern können. Da ich nicht weiß, wohin mich die Arbeitswelt verschlägt, nutze ich die Gelegenheit, mich bei meinen Händler-Kolleginnen für den Austausch, bei mir lieb gewonnenen Hersteller-Kontaktpersonen für das Vertrauen und beim ADAC für die offene Kommunikation und viele lehrreiche Gespräche zu bedanken.
Ob wir uns zu „meinem“ 23. Kindersitztest Ende Oktober noch einmal lesen werden, kann ich an dieser Stelle noch nicht versprechen. Wer mich kennt, weiß allerdings, dass ich – komme, was wolle – in der Nacht vor der Veröffentlichung schlecht schlafen und – natürlich – einen Blick auf die Ergebnisse werfen werde.
Hi, ich bin Kerstin, Mama von 7 Kindern und Spezialistin für Kindersitze.
Seit mehr als 15 Jahren beschäftige ich mich privat und auch beruflich mit Kindersitzen und der Sicherheit von Kindern im Auto und im Flugzeug. Wenn ich einmal anfange zu schreiben, kann ich nur schwer wieder damit aufhören - und ja, dieser Artikel IST bereits die kurze Version.
📄 Alle Testergebnisse aus dem Kindersitztest 2026 im Überblick (Download)
Du möchtest die Ergebnisse des Kindersitztests selbst noch einmal genauer vergleichen oder auf einen Blick sehen? Gerne! Mit einem Klick auf die Bilder kannst du dir alle Resultate des Kindersitztests 2026 in der Übersichtstabelle der Testinstitute (ADAC, ÖAMTC) genauer ansehen oder herunterladen. Alternativ findest du alle Daten auch bei Stiftung Warentest, dort allerdings zum Teil kostenpflichtig.
- ADAC Presse: "Sechs Mal „gut“ im ADAC Kindersitztest"
- ADAC: "Kindersitztest Frühjahr 2026: Wo sitzt Ihr Kind sicher?"
- ÖAMTC Presse: "ÖAMTC: 16 Kindersitze im Test – Crashtest deckte kritischen Sicherheitsmangel auf"
- ÖAMTC: "Übersicht zum Kindersitztest 2026"
- Stiftung Warentest: Aktueller Kindersitztest
Du suchst einen sicheren Kindersitz für dein Kind? Schau dich gerne bei mir um! Ich zeige dir meine Favoriten und Lieblingskindersitze – und die haben alle entweder den schwedischen Plustest bestanden oder ihr Können bereits beim ADAC-Kindersitztest unter Beweis gestellt und manche sogar beides: